Home KoSo/Psychologie/Phillosophie Referate Eva Jaeggi - Der ewig Verliebte

Eva Jaeggi - Der ewig Verliebte

Benutzerbewertung: / 1
SchwachPerfekt 

Eva Jaeggi , welche 1934 in Wien geboren wurde,  ist eine österreichische Psychologin und Psychoanalytikerin. Von 1978 bis 2000 lehrte und forschte sie als Professorin für Klinische Psychologie an der Technischen Universität Berlin. Sie veröffentlichte zahlreiche populäre Sachbücher zu Fragen der Liebe, von Beziehungen und Therapie, darunter auch das Buch “Liebesglück und Beziehungsarbeit”,über welches ich heute referieren werde.



Schön wärs, wenn das von allen Menschen ersehnte Liebesglück zu haben wäre, ohne ständige und mühsame Auseinandersetzungen der Liebenden.
Warum sprechen wir nicht einfach von Liebe, sondern von „Beziehung“ bzw. „Beziehungsarbeit“, so lautet der Fachbegriff sehr hart.
Wir sind freier geworden und können aufrichtiger leben. Haben wir aber dadurch die Fähigkeit auf Dauer liebevoll zusammenzuleben, verloren?
Mit solchen Themen, so wie noch vielen anderen beschäftigt sich die Psychologin Eva Jaeggi in dem Buch.


Der ewig Verliebte
Es gibt Menschen, die die Neigung haben, sich immer wieder zu verlieben. Immer wieder von neuem suchen und finden sie ihr großes Glück und ihren idealen Partner. Die Verliebtheit trägt vorerst weit: Man vergisst eigene Behinderungen und der andere der so viel Schönheit und Reichtum verkörpert, macht alles wett. Eine innere Stimme sagt: „Wenn dieser Mensch mich liebt, muss mit mir doch alles in Ordnung sein“. Dieses Wissen mach stark und sicher. Verliebtheit in der ersten Phase, und zwar am Anfang lässt die Bedeutung der eigenen Person sehr schnell anschwellen und schenkt der eigenen Person viel Sicherheit. Wie kommt denn das? Die Psychoanalitiker teilen menschliches Denken  und Empfinden in „primärprozesshaftes“  und „sekundärprozesshaftes“ Denken ein. Bei der ersten ist die Alltagslogik außer Kraft gesetzt- es wird in Symbolen gedacht und nicht in klaren Formulierungen. Künstler beherrschen meistens diese Art von Denken sehr gut. Zeitweise wird der Verliebte also zum Künstler. Sie entdecken in sich neue Möglichkeiten des Sehen und Hören. Die alles verleiht den Verliebten wertvoller zu sein als sie gedacht hatten.
Im Gegensatz dazu ist das sekundärprozesshafte Denken das logische Denken.
Zurück zur anfänglichen Verliebtheit, die oft schon anch wenigen Wochen verwischt ist. Nach dieser kurzer  Zeit sinkt ihr Interesse und treten aus dem wunderbaren Zauberkreis. Da dieser Prozess nicht bei beiden Partnern synchron abläuft, gibt es noch kurz ein emotionelle Hin- und Her, jedoch bald ist dieses spannende „Theaterstück“ zu Ende.
Es kann aber auch passieren, dass Menschen in die zweite Phase einer Beziehung eintreten. Das ist die wichtige und entscheidende Phase- die zweite Phase. Damit sich die beiden verstehen und besser kennenlernen können, müssen viele Bereiche aufeinandener abgestimmt werden. Trennung oder auch jahrelanger Kampf kann die Folge sein, und dann ist das Spiel zu Ende. Aber es gibt Liebes-Enthusiasten. Sie ziehen es vor, sich nochmals zu verlieben. Das ist der Typ des ewig Verliebten. Warum braucht er das Dauergefühl der Verliebtheit?
Das Nachlassen nämlich der Verliebtheit ähnelt daher den Entzugserscheinungen nach Absetzen einer Droge: Innere Leere, ein unruhiges Suchen, Depressionen.
(Andauernde Verliebtheit und das Ab-und Auf mit ihr kann dem Organismus zu schaffen machen. Jeder meint zu wissen, was er will. Es kling einfach, jedoch dies zu wissen ist das Allerschwerste. Sehr viele Menschen leben gegen die zarten inneren Empfindungen. Sie belasten sich viel zu viel intellektuell und merken nicht, dass ihr Körper etwas tun möchte. )
Zurück zur Beziehung in der zweiten Phase: Man muss immer bereit sein die Bedürfnisse der anderen wahrzunehmen und zu akzeptieren. Man darf sich nicht erwarten, in einer Partnerschaft  alles erfüllt zu bekommen, was man will. Auf einiges muss man verzichten können, und einiges wird man sich alleine erfüllen müssen. Deshalb ist eine Beziehung im Diskurs eine wichtige Phase zur langsamen Entwicklung des Erwachsenen.
Die ewig- Verliebten sind jedoch anders konstruiert, ihr Seelenleben ist auf Dauerdramatik eingestellt. Diese Menschen sind meistens mit bezaubernden Eigenschaften ausgestattet- mit Charme, Schönheit und Redegewandheit (sie wissen genau, was der andere hören wollen und sagen auch dies). Jede neue Frau oder Mann dient nur dazu, das schwankende Selbstwertgefühl zu stützen. Verlangt der andere aber sein Recht, dann wird die Beziehung abgebrochen.


 

Suchen

Share: