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Vortrag: „interkulturelle Philosophie“

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Vortrag: „interkulturelle Philosophie“
Vortrag von Prof. Franz Martin Wimmer (Link zu Wikipedia) am 16.11.2010 in der GRG1 Stubenbastei, Wien (www.stubenbastei.at)

Grobe Definition: Ein Austausch – der nicht nur historisch sein soll – in gegenseitiger Aufklärung der Kulturen und Philosophien.
Ausgangsfragen:
•    Entstehung einer Weltkultur
•    Vielheit philosophischer Traditionen
•    Funktionen von Philosophie
Intern-Universell:
Die Mittel einer traditionellen Kultur sind alle Regional und nicht extern universell. Beispiel: Die ägyptische Hochkultur hat ihr Schriftsystem nur in „ihrer“ Region eingesetzt. Jede Kultur hat alle ihre Lebensbereiche selbst begründet und war in sich begrenzt. Es gibt zwischen den Kulturen sowohl Quantitative als auch Qualitative Unterschiede.
Begriffe: Philosophie
-    „Philosophie“ ist ein griechisches Wort
-    Ist Philosophie nur in Griechisch entstanden?
-    Ist die faktische Gleichsetzung von Philosophie mit griechisch-okzidentaler Philosophie berechtigt?
Philosophie ist eine Menschheitsleistung
-    Es gibt mehrfache Ursprünge und Traditionen: im antiken Ost-, Süd- und Westasien, in Griechenland, Im Islam, in Afrika, möglicherweise in Zentralamerika.
-    Einige dieser Traditionen wirken stark bis in die Gegenwart. Wenn sie für eine globale Welt fruchtbar sein sollen, brauchen wir einen „generischen“ Begriff.
Generischer Begriff von Philosophie
-    Fragen nach der Grundstruktur von Wirklichkeit ist Philosophie
-    Fragen nach Erkennbarkeit von Wirklichkeit ist Philosophie
-    Fragen nach Begründbarkeit von Normen ist Philosophie
-    Metasprache bzw. explizite Begriffe



Begriffe: Kulturalität
Menschen sind von Natur kultürlich
-    Die kulturelle Geprägtheit von Menschen betrifft Weltbilder, Verhaltensweisen, Ästhetiken, Normensysteme
-    Eine dieser Prägungen ist durch differente Sprachen gegeben – sie ist für die jeweilige Philosophie von großer Bedeutung, weil Philosophierende jeweils (nur) mit ihrer Sprache zeigen können, was sie denken.
-    Kulturalität betrifft (auch) die jeweilige Philosophietradition
-    Entstehungsbedingungen verschieden
-    Weltbilder und Gesellschaftsformen
-    Sprachstrukturen
-    Philosophie kann monokulturell, multikulturell oder interkulturell orientiert sein: Diese Orientierungen entsprechen jeweils einem Typus „zentristischen“ Denkens, nämlich einem:
-    Expansiven bzw. integrativem, einem
-    Separativen oder einem
-    Tentativen Zentrismus
Begriffe: Dilemma der Kulturalität
Wenn Philosophie
-    stets kulturell geprägt ist,
-    nur bestimmte kulturelle Ausdrucksmittel hat,
-    in bestimmter kultureller Tradition geschieht, aber
Allgemeingültigkeit intendiert
-    muss sie ein Bewusstsein davon und
-    Verfahren zur gegenseitigen Aufklärung entwickeln
Aufgaben: Kritik der Philosophie
-    Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurde Geschichte der Philosophie zunehmend als Geschichte der europäischen Philosophie dargestellt, kulminierend im 19. Jahrhundert und als Standardsicht immer noch präsent.
-    Aufgrund starker Affinität zu ihrer Geschichte prägt dies den Begriff von Philosophie in irreführender Weise.
Beispiel: Afrikanische Philosophie
-    These 1: (Schwarz-)Afrika ist ein philosophieloser Kontinent von Natur
-    „Die Negers von Afrika haben von der Natur kein Gefühl, welches über das Läppische stiege. Herr Hume fordert jedermann auf, ein einziges Beispiel anzuführen, da ein Neger Talente gewiesen habe, und behauptet: daß unter den hunderttausend von Schwarzen, die aus ihren Ländern anderwärts verführt werden, obgleich deren sehr viele auch in Freiheit gesetzt werden, dennoch nicht ein einziger jemals gefunden worden, der entweder in Kunst oder Wissenschaft, oder irgendeiner andern rühmlichen Eigenschaft etwas Großes vorgestellt habe, obgleich unter den Weißen sich beständig welche aus dem niedrigsten Pöbel emporschwingen und durch vorzügliche Gaben in der Welt ein Ansehen erwerben“
(Immanuel Kant 1764)
-    „In Africa… et America ta, destabilis vbique suerstitio regnat, vt non modo philosophiam omnem, sed et vsum rationis eiurasse videatur.“ (Jakob Bruckner, 1756)
-    These 2: Es gibt Philosophie in Schwarzafrika – aber nur als „Ethnophilosophie“
1.    Es gibt eine traditionelle Philosophie der Bantu.
2.    Es handelt sich dabei um eine Ontologie.
3.    Darin entspricht ein Begriff der Kraft dem, was in europäischer Philosophie „Sein“ genannt wird.
4.    Die Bantu-Philosophie kommt nicht von sich aus zur Sprache, sie ist anonym und implizit. Sie kann – und soll – mit Hilfe von abendländischen Begriffen artikuliert werden.
5.    Diese Philosophie haben nicht nur die Baluba, sondern alle Bantu und alle „Naturvölker“.

(Nach: Placide Tempels, Bantu Philosophie, 1945)

-    These 3: Es gibt Philosophie im strengen Sinn in schwarzafrikanischen Traditionen
1.    Mit individuell entwickelten Reflexionen in afrikanischen Schriftkulturen (insbesondere: Ägypten und Äthiopien)
2.    Mit individuell entwickelten Reflexionen in oralen Kulturen, der sogenannten Weisheitsphilosophie

 

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