Die Cestiuspyramide
Die Cestiuspyramide ist ein pyramidenförmiges Grabmal des Prätors und Volkstribuns Caius Cestius Epulo. Da bis zum fünften Jahrhundert nach Christus Grabmäler innerhalb einer Stadt verboten waren, wurde die Pyramide abseits der Stadt, an der Via Ostiensis, einer belebten Straße errichtet. Seit 271 nach Christus, als Kaiser Aurelius die Stadtmauern erweiterte, befindet sich das Denkmal in der Stadt. Eine Pyramide passte ursprünglich nicht in das römische Stadtbild. Selbst wenn man heute an Rom denkt, ist eine Pyramide nicht das Erste, mit dem man Rom assoziiert. Nach der Eroberung Ägyptens durch Kaiser Augustus kamen Pyramiden, vor allem als Grabstätten, in Mode. Mehrere Römer ließen sich deshalb so eine Pyramide als Ruhestätte errichten, so auch Caius Cestius Epulo, über dessen Leben selbst recht wenig bekannt ist. Gewiss ist, dass er Prätor und Mitglied eines der vier Priesterkollegien war. Er starb 12 v. Chr. und wurde trotz seiner eher unbedeutenden Person unsterblich, da seine Pyramide die einzige Grabstätte ist, die bis heute erhalten blieb.
Die Pyramide ist 36 Meter hoch und 30 Meter breit. Die Grabkammer kann man nur durch Führungen besichtigen. Das Grabmal trägt folgende Inschriften:
An Ost- und Westseite oben:
C(aius) CESTIUS L(ucii) F(ilius) POB(lilia) EPULO PR(aetor) TR(ibunus) PL(ebis) VII VIR EPULONUM
Caius Cestius der Sohn des Lucius aus dem Bezirk Poblilia, Priester, Volkstribun und ein VII vir epulonum (einer der sieben Priester).
An der Ostseite etwas kleiner:
OPUS APSOLUTUM EX TESTAMENTO DIEBUS CCCXXX ARBITRATU
PONTI P(ublii) F(ilii) CLA(udia) MELAE HEREDIS ET POTHI L(iberti)
Das Werk wurde in 330 Tagen auf Grund des Testaments nach Ermessen des Pontius Mela des Sohnes des Publius aus dem Bezirk Claudia des Erben und des freigelassenen Pothus fertiggestellt.
An Ost- und Westseite unten:
INSTAURATUM AN DOM MDCLXIII
Es wurde im Jahr 1663 des Herrn wiederhergestellt.
Forum Boarium und Forum Holitorium
Das Forum Boarium war ein Marktplatz, der hauptsächlich als Rindermarkt diente. Hier trafen sich griechische und einheimische Händler, um Handel zu treiben. Als es das Forum noch nicht gab, war der Ort ein beliebter Übergang über den Tiber für Hirten. Das ist auch der Grund, warum gerade dort ein Viehmarkt entstand. Da der Tiber immer wieder über die Ufer trat, musste der Markt auf Fundamenten befestigt werden. Diese Arbeit erfolgte schließlich zehn Jahre nachdem der Markt mehrmals überflutet worden war. Das Forum dürfte mindestens einmal von einem Brand heimgesucht und danach wieder aufgebaut worden sein. Auch eine „große Inschrift, die auf dem Forum gefunden wurde, erwähnt eine starke Bautätigkeit zu jener Zeit in der Gegend um das Forum Boarium“ .
Am Forum befinden sich zwei Tempel. Der Tempel des Hercules Victor, von dem man irrtümlich dachte, er wäre für Vesta erbaut worden und der Tempel des Portunus. Der erst genannte wird von 20 Säulen gestützt und ist der älteste erhaltene Marmorbau. Der zweite Tempel war dem Gott Potunus geweiht. Im Mittelalter wurden die Bauwerke zu Kirchen umfunktioniert, weshalb sie heute noch gut erhalten sind. Im Osten des Forums steht der Bogen des Janus, eine frühere Straßenkreuzung und Händlertreffpunkt.
Das Forum Holitorium diente als Gemüsemarkt. Da sich am selben Ort der Haupthafen befand, war der Markt stets gut besucht. Selbst, als der Hafen verlegt wurde, verlor der Markt kaum an Beliebtheit. Auf diesem Marktplatz wurden vier Tempel errichtet. Man kann von drei der vier Tempel heute noch Reste neben und unter der Kirche S. Nicola finden. Vom vierten blieb nichts erhalten, da auf ihm das Marcellus-Theater gebaut wurde. Die Zuordnung der Namen ist strittig. Der Tempel der Spes war 25 Meter lang, 11 Meter breit und wurde von 34 dorischen Säulen gestützt. Heute sind noch sechs Säulen in der Außenmauer einer Kirche erhalten. Mit 26x15 Metern ist der Tempel der Janus etwas größer. Auch von diesem sind ein paar Säulen in der gleichen Kirche noch sichtbar. Der Tempel der Juno Sospita ist der mittlere und gleichzeitig auch der größte der drei Tempel. Dieser wurde komplett in die Kirche verbaut.
Der Ianus Quadrifons
Im Osten steht der Ianus Quadrifons, auch Janusbogen genannt und bildet die östliche Grenze des Forums. Er ist, wie oben schon erwähnt, die Überdachung einer Straßenkreuzung. Zuerst vermutete man in ihm einen Tempel für den Gott Janus, was sich später als falsch herausstellte, da er ein Ehrenbogen ist. Man ist sich bis heute nicht sicher, wem der Bogen gewidmet war, aber man vermutet, dass man ihn entweder für Kaiser Konstanin, oder für Kaiser Constantinus II erbauen ließ, da Fragmente von einem Kaiser erzählen, die auf einen der Beiden hinweisen. Das Bauwerk besteht aus Ziegelsteinen und sogenanntem römischen Beton (Opus caementitium, Vorläufer des heutigen Betons) und ist mit Marmor verkleidet. In den runden Nischen, die heute leer sind, standen früher Statuen. Nicht nur die Bögen waren verziert, auch die Schlusssteine der vier Bögen wurden jeweils von einer weiblichen Gottheit geschmückt: Roma, Minerva, Iuno und Ceres. Nachdem der Bogen im Mittelalter zu einer Burg gehörte wurde der Bogen 1830 wieder in seine ursprüngliche Form gebracht. Dabei wurde die Verdeckung des Daches aus Versehen zerstört. Das Denkmal ist 16 Meter hoch und 12 Meter breit.
Der Tempel des Portunus und der Tiberhafen
Der Tiberhafen, oder auch Portus Tiberinus genannt, war der Haupthafen in Rom. Ware wurde aus dem Seehafen Ostia Antica her geschifft und da entladen. „Der Hafen steht unmittelbar in Verbindung mit einem rechteckigen Bau“ , dem Portunus Tempel. Portunus ist der Gott der Häfen und Anlegestellen. Der fälschlicherweise mit dem Namen „Tempel der Fortuna Virilis“ bezeichnete Tempel steht auf dem Forum Holitorium. Er ist bis heute sehr gut erhalten. Das besagte Bauwerk stammt aus der republikanischen Zeit, aus dem zweiten Jahrhundert v. Chr. und wurde rund hundert Jahre später restauriert. Bei Ausgrabungen wurde entdeckt, dass manche Teile schon 100-200 Jahre älter als der Rest sind. Das letzte Mal wurde das Bauwerk im 20. Jhd. mit Beton restauriert was man an manchen Stellen sehen kann. Das hohe Podium, auf dem der Tempel steht, ist eigentlich eine etruskische Bauweise, von der die Römer aber beeinflusst wurden. Der Tempel besteht an der Vorderseite aus vier Säulen und an der Längsseite aus jeweils zwei normalen und fünf Halbsäulen, sowie aus 4 Halbsäulen an der Hinterseite. Dort, wo der Tempel mit Halbsäulen gestützt ist, ist er innen verbaut.
Der Rundtempel auf dem Forum Boarium
Der Tempel des Herkules Viktor ist der älteste erhaltene Marmorbau Roms. Vom ursprünglich ältesten, dem Tempel des Jupiter Stator, gibt es keine Reste mehr. Der Tempel wird von 19 Säulen getragen, obwohl es ursprünglich 20 waren, aber von der einen ist nur noch die Basis erhalten. Wie der ganze Tempel bestehen auch alle Säulen aus Marmor, jedoch sind neun davon aus einem anderen Marmor und einer späteren Zeit, da das Denkmal wahrscheinlich nach einer Überschwemmung des Tiber wieder repariert werden musste. Der Tempel hat einen Durchmesser von 15 Metern, die Säulen sind 19 Meter hoch. An der Ostseite befindet sich eine Tür, durch die man das Innere besichtigen kann. Man ist sich nicht sicher, wer den Tempel baute, man weiß nur dass es ein Grieche war, vermutlich Hermodoros von Salamis. Das Gebäude schaut dem Tempel der Vesta auf dem Forum Romanum ähnlich. Das ließ annehmen, dass dieser Tempel auch der Vesta gewidmet wurde, jedoch weiß man heute sicher, dass er für Herkules, der sehr verehrt wurde, gebaut wurde. Er wurde von M. Octavius, einem Kaufmann, der vermutlich durch den Handel mit Öl reich wurde, gebaut. Wie auch der Janusbogen und der Tempel des Portunus wurde das Denkmal zu einer Kirche umfunktioniert und somit erhalten.
„Der Tempel ist ein Beweis für die wirtschaftliche Macht der römischen Kaufleute am Ende des 2. Jhs. v. Chr. In jenen Jahren stifteten die römischen und italischen Kauflaute, […] den Sklavenmarkt. Wenn man bedenkt, wie viel bei diesem finsteren Geschäft verdient wurde –[…]- so ist es nicht weiter verwunderlich, dass ein in diesem Geschäft tätiger Kaufmann einen Marmortempel erbauen konnte.“
Ara Maxima
Die Ara Maxima wird auch Tempel des Herkules genannt. Sie steht auf dem Forum Barium in der Nähe des Circus Maximus. Der Altar wurde Herkules geweiht, nachdem er im Kampf mit dem Giganten Cacus seine Rinder zurückerobert hatte. Anschließend wurden diese geopfert. Generell waren die Prätoren jährlich verpflichtet, Opfer zu bringen. Es wird vermutet dass der Altar schon vor der Stadtgründung des Romulus existiert hatte. Der Altar stand, bis er von Papst Sixtus IV. abgerissen wurde. Ein kleiner Bruchteil dürfte noch in der Kirche Santa Maria in Cosmedin erhalten sein.
Zuerst war der Herkuleskult privat, wurde jedoch später zum Staatskult, woraufhin man zwei weitere Tempel für Herkules errichtete: den Tempel des Herkules Invictus und die Aedes Aemiliana Herculis.
Der Argentarierbogen
Der Argentarierbogen ist ein kleiner Bogen, „den die argentarii (Bankiers) und Viehhändler dem Septimius Severus und seiner Familie stifteten.“ Das Denkmal ist von der Bauform her gar kein Bogen, da es aus zwei Standpfeilern und einem Architrav, dem Dach, besteht. Die Basen der Pfeiler bestehen aus Travertin, während sie selbst, wie auch der Architrav mit Marmor verkleidet sind. „Das Monument war insgesamt 6,80 Meter hoch und 5,86 Meter breit.“ Der rechte Pfeiler ist in die nebenstehende Kirche verbaut. Über die Funktion des Bogens wird bis heute noch gestritten. Einerseits gibt es die Theorie, dass es sich hierbei um einen Zugang zum Forum Boarium handelte. Diese Theorie hat aber den Haken, dass der Bogen auf der Rückseite nicht verziert ist und deswegen kann es auch sein, dass das Bauwerk der Eingang zu einem Gebäude war. Bis auf die Rückseite ist der Bogen jedoch reich geschmückt, zum Beispiel mit römischen Soldaten, die einen Barbaren gefangen genommen haben, Opfergeräte werden dargestellt und im Durchgang kann man sehen, wie ein Mann auf einem tragbaren Altar opfert.
Das Denkmal trägt folgende Inschriften:
Imp. Caes. L. Septimio Severo Pio Pertinaci Aug. Arabic. Adiabenic. Parth. max. fortissimo felicissimo pontif. max. trib. potest. XII imp. XI cos. III patri patrine, et imp. Caes. M. Aurelio Antonino pio felici Aug. trib. potest. VII cos. III p. p. procos. fortissimo felicissimoque principi, et Iuliae Aug. matri Aug. n. et castrorum et senatus et patriae et imp. Caes. M. Aureli Antonini pii felicis Aug. Parthici maximi Brittannici maximi argentari et negotiantes boari huius loci qui invehent devoti numini eorum.
Für Imperator Caesar Lucius Septimius Severus Pius Pertinacus Augustus Arabicus Adiabenicus Parthus, größter, mutigster, glücklichster, höchster Priester, im zwölften Jahr der tribunischen Gewalt, sechster Imperator, dritter Konsul, Vater des Vaterlands und Imperator Caesar M. Aurelio Antonino Pius Felix Augustus, im siebten Jahr der tribunischen Gewalt, dritter Konsul, Vater des Vaterlands, Prokonsul, mutigster und glücklichster Führer und Julia, Mutter der beiden Augustus‘ und des Lagers und des Senats und des Vaterlands und des Imperators Caesar M. Aurelius Antoninus Pius Felix Augustus Parthicus, größter Britannien, größter Geldwechsler und Viehhändler dieses Ortes, der der Gottheit der Demütigen hereinführen wird.
Der Monte Testaccio
Der „Monte Testaccio“ (testae = lat. Scherben) ist ein Berg in Rom, der rein aus Scherben besteht. Messungen ergaben, dass der Berg einen Durchmesser von 1000 Metern hat und 45 Meter hoch ist. Bis ins 4. Jhd. n. Chr. wurde die einmalige Sehenswürdigkeit als Halde benutzt, was zum Teil auch der Grund ist, warum der Hügel heute von Gras, Bäumen und anderen Pflanzen bewachsen ist. Natürlich ist der Berg keine natürliche Erscheinungen, nun man fragt man sich also, woher diese Scherben kommen. Sie stammen von Amphoren (antike Vasen) und anderen zerbrochenen Gefäßen, mit denen Lebensmittel über das Wasser nach Rom transportiert wurden. Da in den Amphoren Siegel und andere Bezeichnungen eingeritzt wurden, kann man heute daraus noch wertvolle Informationen gewinnen. „Man schätzt heute den Hügel auf 53 Millionen Amphoren. Der Hügel gibt dem Stadtviertel „Testaccio“ seinen Namen.“
Santa Sabina
Die Kirche Santa Sabina steht auf dem Aventin, nahe dem Circus Maximus. Zwei Päpste waren an der Erbauung beteiligt. Sie wurde von Coelestin I. im 5. Jhd. erbaut, aber erst unter Sixtus III. fertiggestellt. Die reiche Marmorausstattung wurde erst rund 400 Jahre danach hinzugefügt. Auch diese Kirche ist von einem Mythos umworben. Sie soll genau an dem Ort errichtet worden sein, an dem früher das Haus der Märtyrerin Sabina, die wegen ihres Glaubens verurteilt und hingerichtet worden war, gewesen sein soll. Heute nimmt man aber an, dass der Name nicht von der Christin, sondern von einer Stifterin der Kirche, die auch Sabina hieß, stammt. Reste der damaligen Häuser sind bis heute noch sichtbar. Petrus aus Illyrien soll laut einer Inschrift an der Innenseite der Fassade über dem Eingang der hauptsächliche Stifter gewesen sein.
Die Eingangstür ist eine der ältesten noch erhalten Türen und besteht aus Zypressenholz. Auf ihr werden von geschnitzten Bildern christliche Geschichten erzählt. Sie stammen aus dem Jahr 342. Unter diesen Reliefs befindet sich die älteste bekannte Kreuzigungsdarstellung. Das Bild stellt nicht wirklich die Kreuzigung selbst dar, sondern mehr den gekreuzigten Christus als Ergebnis der schon vollstreckten Kreuzigung. Auch die Kreuzigungsdarstellungen, die danach gemacht wurden, distanzieren sich von der Gewalt und dem Leid, das Christus mitmachte. Erst im 11. Jhd. begann man, Christus tot und ans Kreuz genagelt darzustellen, jedoch deutete man vorerst die Wunden und das Leid nur leicht an. In der Gotik entstanden dann Darstellungen, wie wir sie heute kennen.
Zwei architektonische Merkmale sind sehr auffällig in der Kirche. Zu dieser Zeit wurden die Kirchen aus antiken Bauteilen zusammengestellt und so entstanden Gebäude mit unterschiedlichen Säulen oder Basen. In dieser Kirche sind aber alle Säulen die gleichen mit der gleichen Größe. Das deutet darauf hin, dass die Bauteile vom selben antiken Gebäude stammen. Weiters wurde der Architrav von Rundbögen über den Säulen verdrängt und es wurde auf die waagrechte Ausrichtung verzichtet. Stattdessen wurde die Kirche senkrecht ausgerichtet.
Santa Maria in Cosmedin – Bocca della Verita
Die Kirche Santa Maria in Cosmedin wurde ursprünglich Santa Maria in Schola Graeca. Der Name kommt aus der Zeit, als griechische Kaufleute dort Handel trieben. Erst, als die Basilika mit Marmor und Mosaiken ausgestattet wurde, erhielt sie ihren heutigen Namen. Sie befindet sich am Piazza della Verità nahe dem Tiber. Das Gebäude wurde im 1. Jhd. n. Chr. erbaut und im 6. Jhd. erneuert und zu einer Kirche umfunktioniert. 1718 wurde die Kirche der Epoche des Barocks angepasst. 1899 wurde sie wieder in die römische Version umgewandelt, jedoch entspricht diese nicht der originalen Version, da man sie so umbaute, wie man sie sich vorstellte.
Bocca della Verità
Die Bocca della Verità (Mund der Wahrheit) ist eine ein Scheibenförmiges Relief in der Säulenvorhalle der Kirch Santa Maria in Cosmedin. Die Touristenattraktion ist etwa 2000 Jahre alt und befindet sich seit 1632 an ihrem heutigen Ort. Sie hat einen Durchmesser von 175 cm, ist 19 cm dick und wiegt 1200-1300 Kilogramm. Das Gestein hat insgesamt sieben Löcher. Zwei für die Augen, zwei für die Nasenlöcher, ein großes für den Mund und zwei, um die Sehenswürdigkeit an der Wand zu befestigen.
Es gibt mehrere Theorien über die Vorgeschichte der Bocca della Verità. Eine besagt, dass sie von der Ara Maxima stammen könnte, jedoch war sie höchst wahrscheinlich ein Kanaldeckel im antiken Rom. Seit dem Mittelalter ist der Stein eine Legende. Laut einem Mythos ist er eine Art Lügendetektor. Angeblich wurde jedem Lügner die Hand abgebissen, der seine Hand in den Mund legte. Deshalb posieren Touristen heute vor der Kamera meist mit ihrer Hand im Mund der Attraktion.
Das Mithräum beim Circus Maximus
Das Mithräum des Circus Maximus ist eines der zahlreichen Mithräen in Rom. Das Gebäude befand sich an der Westseite des Circus Maximus. Das Mithräum bot so, wie die anderen auch, Platz für nur ein paar dutzend Leute. Dafür gab es rund 1000 solche Tempel. Das Gebäude hatte ein Erdgeschoss, welches noch gut erhalten ist und von dem zwei Treppen ins Obergeschoss führten. Im Gegensatz zu früher, betritt man das Mithräum heute durch einen Nebeneingang. Gleich im darauf folgenden Raum befindet sich das Heiligtum des Gebäudes, das „Spelaeum“ (Grotte). Es gab in anderen Mithräen oft künstlich angelegte Höhlen, wie zum Beispiel Keller von Häusern, welche man „Spelunca“ nannte. Dort stand der Altar. Der gesamte Fußboden bestand aus Marmor. Im größten Raum, der die restlichen Räume miteinander verbindet, vermutet man, dass früher auf zwei Marmorbasen Statuen zweier Fackelträger gestanden sind. In den anderen Räumen befanden sich Bänke, auf denen die Gläubigen saßen. Diese kleineren Räume waren wiederum durch einen Bogen verbunden, wo sich nicht nur Säulenbasen und Nischen befanden, sondern wohl auch die Statue des Mithras. Jedes Mithräum besitzt entweder als Relief, oder als Wandbild eine Stiertötungsszene (mehr dazu auf der nächsten Seite). Auch in diesem Mithräum fand man eine solche Szene, jedoch weiß man nicht genau, wo sich diese befand. Über dem Relief befindet sich eine Inschrift und trägt den Namen des Stifters.
DEO SOLI INVICTO MITHRAE TI(BERIUS) CL(AUDIUS) HERMES OB VOTUM DEI TYPUM D(ONO) D(EDIT)
Tiberius Claudius Hermes hat dem unbesiegbaren Sonnengott Mithras wegen eines Gelübdes das Kultbild als Geschenk gegeben.
Der Mithraskult
Im Mithraskult (auch Mithraismus genannt) wurde Mithras, eine Gottheit, verehrt. Sie steht für die personifizierte Sonne („Sol“). Der Name Mithras leitet sich von der iranischen Gottheit „Mithra“ ab. Die zwei Gottheiten haben aber nur ihren Namen gemeinsam, deshalb sind sie nicht direkt vergleichbar. Mithras soll laut antiken Abbildungen, Helios als Sonnengott abgelöst und deshalb den Beinamen „Sol Invictus“ erhalten haben.
Der Mithraskult war nur von einer relativ geringen Dauer. Zwischen dem 2. und dem 5. Jhd. n. Chr. ging man dem Mysterienkult nach. Im 3. Jhd. erlebte der Kult ihre Blütezeit, da nicht nur mehrere Kaiser den Gott Sol Invictus Mithras verehrten, sondern ihm sich auch Kaiser Commodus anschloss. Als das Christentum jedoch immer populärer wurde, verschwand der Mithraskult sehr rasch.
Von einer Zeremonie war die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Nur Männer durften dem Kult angehören. Diese kamen aus allen möglichen Gesellschaftsschichten. Wie in den meisten Mysterienkulten drehte sich hier alles um ein Geheimnis. Deshalb war jedes neue Mitglied verpflichtet, einen Schwur zu leisten, damit er ja nichts weiter sage.
Das beliebteste Motiv auf allen Kunstwerken in einem Mithräum war die Stiertötungsszene („Tauroktonie“). Man sieht auf diesen Werken die Gottheit Mithras, wie sie einen Stier tötet. Das kommt daher, weil die Leute glaubten, dass Mithras einen „Stier verfolgt, eingefangen und auf seinen Schultern in eine Höhle getragen“ haben soll, „wo er ihn zur Erneuerung der Welt opfert.“ Auf den Szenen kann man meist noch eine Schlange, einen Hund, einen Raben, ein Skorpion, einen Löwen und einen Kelch erkennen. Die Bedeutung ist umstritten, jedoch gehen die meisten Wissenschaftler davon aus, dass sie für Sternzeichen stehen. Auf allen Tötungsszenen werden Mithras und der Stier gleich dargestellt. Mithras kniet mit dem linken Bein und mit einer Tunika bekleidet auf dem Stier und schneidet ihm mit der rechten Hand den Hals auf, während er mit der linken den Kopf des Stieres stabilisiert. Seinen Blick wendet er vom Stier ab.
Höchst wahrscheinlich wurden von den Angehörigen des Kults selbst keine Stiere geopfert, da bis heute noch keine Stierknochen gefunden wurden.
Der Circus Maximus – Die Wagenrennen
„Panem et Circenses – Brot und Spiele“. So lautet ein Vorurteil, das man den Römern vorwirft. Zu Unrecht? Nein, im Folgenden wird man sehen, dass sicher etwas Wahres dran ist.
Livius berichtet in seinem Werk von den Anfängen des Circus Maximus:
Den ersten Krieg führte König Tarquinius Priscus mit den Latinern und nahm dort die Stadt Apiolas unter Gewalt ein; Von da kehrte er mit größerer Beute, als der Ruhm gewesen war, den der Krieg eingebracht hatte, zurück und machte Spiele, die mächtiger und besser ausgestattet waren, als die der früheren Könige. Damals wurde zum ersten Mal der Platz für den Circus, der nun „der Größte“ genannt wird, bestimmt. Den Vätern und Rittern wurden Plätze eingeteilt, wo sie sich jeder die Tribüne machen konnte; sie wurden „fori“ genannt; Sie sahen zu, wobei die Tribünen auf 12 Fuß hohen gabelförmigen Stützen ruhten. Zu sehen gab es Reiter und Boxer, die vor allem aus Etrurien geholt wurden. Darauf wurden die feierlichen Spiele jährlich ???, und wurden abwechselnd römisch und groß genannt.
Alles begann, als das Gebiet zwischen Aventin und Palatin im 7. Jhd. v. Chr. trockengelegt wurde. So konnten dort Wettkämpfe stattfinden. Vorerst saßen die Zuschauer noch im Gras, doch kurz darauf wurden die ersten Holztribünen errichtet. Da war sie nun also. Die größte Arena der Welt, die es je gab. Das bezeugte auch der Archäologe Filipo Coarelli. Er sagte vom Circus Maximus, dass er die „größte Anlage für öffentliche Darbietungen, die je gebaut wurde“ sei. Sie war unter Kaiser Augustus 620 Meter lang und 180 Meter breit. 150 000 Menschen fanden in ihr Platz. Jener Kaiser ließ für den Kaiser und seine Familie eine eigene Loge errichten. In den insgesamt rund 1200 Jahren, in denen der Circus stand, wurde er natürlich verändert. So ließ etwa Caesar eine Absperrung und einen Wassergraben (euripus) errichten, um die Zuschauer zu schützen, da im Circus „Venationes“, also Tierhetzen, stattfanden. Weiters wurden die Holztribünen, die immer wieder einstürzten und so Todesopfer forderten, nach dem großen Brand unter Kaiser Nero von Kaiser Trajan wieder aufgebaut. Insgesamt brannte der Circus drei Mal. Diesmal bestanden nur noch die obersten Sitzreihen aus Holz. Der Rest wurde schon aus Marmor erneuert. Mit der Zeit wurden dann alle Plätze auf den neuesten Stand gebracht. Diesmal war der Circus noch gewaltiger: Er bot 250 000 Zuschauern Platz. Das Kolloseum hätte da etwa 12 Mal hineingepasst. In der Spätantike wurde das Fassungsvolumen sogar auf mehr als 300 000 Plätze erweitert. Zum Vergleich: In das größte Stadion in Österreich (Ernst Happel Stadion) passen 50 000 Leute.
Im Circus Maximus fanden natürlich nicht nur Tierhetzen statt. Es wurden christliche Märtyrer dort umgebracht, es fanden Gladiatorenkämpfe und die „ludi circenses“ (zirzensische Spiele), also religiöse Veranstaltungen statt, und natürlich waren die berühmten Wagenrennen vor allem in der Kaiserzeit eine beliebte Veranstaltung. Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen gab es im Circus Maximus vor allem deswegen, weil das Kolloseum erst danach erbaut wurde.
In der Mitte des Bauwerks befand sich die „Spina“. So bezeichnet man die Grenze, die die Rennbahn ein Oval werden ließ. Auf ihr standen einige Denkmäler wie zum Beispiel Statuen, Säulen und Altäre. Die eindrucksvollsten waren jedoch die Obelisken. Einer davon war der 23,7 Meter hohe Obelisk des Pharao Ramses II., den Kaiser Augustus aufstellen ließ. Der Obelisk trägt folgende Inschrift:
Imperator Caesar Augustus Sohn des Gottes (göttlichen) Imperator als 12. Konsul, als 11. Konsul der tribunizischen Gewalt, zum 14. Mal, nachdem Ägypten in die Gewalt des römischen Volkes gebracht worden war, gab er der Sonne als Geschenk. (wsl. den Obelisken)
Papst Sixtus V. widmete diesen Obelisken der, von Caesar Augustus der Sonne im Circus Maximus, durch gottlosen Brauch geweiht und durch den beklagenswerten Untergang zerbrochen und begraben wurde und befahl ihm, in seine Form zu bringen und zurückzukehren und dem unbesiegbarsten Jesus zu weihen, im Jahr 1589, dem vierten Jahr des Pontifex. Vor dem heiligen Tempel derer erhebe ich mich heiliger und freudiger, aus deren jungfräulichem Mutterleib, als Augustus herrschte, die Sonne der Gerechtigkeit aufgegangen ist.
Der Obelisk wurde 1587 auf die Piazza del Popolo versetzt. Ein ähnliches Schicksal teilte der Obelisk, der 357 n. Chr. von Kaiser Constantinus II. erbaut wurde. Dieser wurde vom gleichen Papst auf den Lateran gestellt. Über die Rennbahn selbst ist nicht so viel bekannt, da die antiken Quellen fast keine Informationen von sich preisgeben. Man weiß nur grundlegende Dinge wie, dass die Rennbahn regelmäßig mit Wasser besprüht werden musste, da man sonst wegen dem aufgewirbelten Staub nichts gesehen hätte. Die Runden zählte man, indem man pro gefahrener Runde ein hölzernes Ei, erreichbar mit einer Leiter, wegnahm. Später ließ Agrippa einen zweiten Rundenzähler aus sieben Delphinen aufstellen. Die zwölf Startboxen (carceres) bestanden aus Marmor und waren so platziert, dass jeder die gleiche Strecke zu fahren hatte. Sie wurden von einem speziellen Mechanismus geöffnet, sodass jeder genau im gleichen Augenblick starten konnte. Nach dem Start musste jeder Fahrer in seiner Bahn bleiben, um einen Massencrash zu vermeiden. Erst, als die Fahrer eine Kreidelinie erreichten, durften sie auf die Innenbahn fahren. Die Wagenlenker waren damals richtige Stars und wurden, wenn sie sehr erfolgreich waren, verehrt. Ein Rennen dauerte im Normalfall sieben Runden. Die Fahrer fuhren dabei gegen den Uhrzeigersinn. In der römischen Kaiserzeit fanden am Tag bis zu 24 Rennen statt. Man nimmt an, dass das erste Rennen im 5. Jhd. v. Chr. veranstaltet wurde und das letzte rund 1000 Jahre später. Man musste für so ein Rennen keinen Eintritt zahlen.
Wie fanatisch die Römer damals waren, belegt folgender Text über Kaiser Caligula:
Caligula sprach der Partei der Grünen so zu und widmete sich ihr, dass er dauernd in der Herberge speiste und blieb, dem Wagenlenker Eutycho schenkte er 20 Millionen Sesterzen als Gastgeschenk bei einem Gelage. Auf Grund seines Pferdes Incitato, welches er am Tag vor dem Zirkus nicht beunruhigen wollte, pflegte er, den Nachbarn durch Soldaten Ruhe zu befehlen, außer einem marmornen Stall und einer Krippe aus Elfenbein und außer einer purpurnen Decke und auch Halsbändern aus Edelsteinen, gab er ihm ein zu Hause, eine Familie und Geschirr, damit sie umso geschmackvoller empfangen werden könnten; Es wird überliefert, dass es auch den Konsul bestimmte.
In dem Text wird eine „Partei der Grünen“ erwähnt. Im antiken Rom gab es nämlich verschiedene Zirkusparteien. Vor allem die Grünen, Blauen, Roten und Weißen waren besonders mächtig und lieferten sich heiße Kämpfe. Nicht nur im Circus hatten sie was zu sagen, auch in der Politik. Jede Partei stand für eine bestimmte Volksschicht. So kam es auch zu besonderen Rivalitäten in den verschiedenen Schichten.
Wohl eine Ausnahme ist C. Plinius Secundus, der sich lieber den Briefen, als den Wagenrennen widmete:
Diese ganze Zeit habe ich in angenehmer Ruhe zwischen Schreibtäfelchen und Briefen verbracht. Du fragst „Wie konntest du das in dieser Stadt?“ Es gab den Zirkus, ich interessiere mich nicht im Geringsten für diese Art von Spiel. Nichts Neues, nichts Verschiedenes, nichts, was nicht einmal zu sehen genügt. Ich wundere mich dadurch mehr, dass so viele tausend Männer so kindisch immer wieder rennende Pferde begehren und auf den Wägen stehende Männer sehen wollen. Wenn trotzdem entweder die Geschwindigkeit der Pferde oder die Kunst der Menschen interessieren würde, hätte es einen gewissen Sinn; Nun begünstigen sie das Dress, sie lieben das Dress und wenn man im Lauf selbst und mitten im Wettkampf diese Farbe dorthin zu tauschen, dann wird der Eifer und der Beifall tauschen und plötzlich jene Wagenlenker und jene Pferde zurücklassen, die sie von Weitem kennen, deren Namen sie rufen. Solche Ehre, solches Ansehen in einer sehr billigen Tunika, ich sehe vor dieser Menge ein, dass es eine billige Tunika ist, aber vor würdigen Menschen. Wenn ich bedenke, dass sie bei einer so unwichtigen, kalten, endlosen Sache dann unersättlich dasitzen, und irgendein Vergnügen empfinden, fange ich nicht dieses Vergnügen. Und deshalb verbringe ich diese Tage, die andere sehr faul mit Beschäftigungen verderben, sehr gerne meine Freizeit in Briefen. Leb‘ wohl.
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