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Kulturkriminalität in der Antike: Perser, Griechen, Rom

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Kulturkriminalität in der Antike: Perser, Griechen, Rom

Es gibt sehr viele Beispiele von Kunstraub in der Antike,doch hatte diese Beutezüge früher oftmals eine ganz andere Bedeutung.

Der Wert der Beutestücke lag nämlich nicht in der ästhetischen Qualität oder im kostbarem Material des geraubten Gegenstandes, sondern in dessen
numerioser Macht!

Im alten Orient wurden Götterbilder des Feindes geraubt. Im 18. Jhdt vor Christus nahm sich der Herrscher Kuter-Nahhunte I. nach Verwüstung des Reiches von Akkade in Babylonien deren Fruchtbarkeits- und Siegesgöttin Nanaja mit sich!

Die Anwesenheit einer Göttin ist an ihr Bild gebunden, dessen Besitz Schutz und Segen bewirkt.

Perser raubten nur Edelmetalle und zerstörten alles übrige, weil
Kunstwerke für sie keinen Wert hatten. Einmal nahm jedoch Xerxes die Bronzegruppe der Tyrannenmörder Harmodios und Aristogeiton aus Athen mit sich. Xerxes nahm nach altorientalischem Brauch dem Gegner, wenn schon nicht das Kultbild, zumindest das identitätsgebende Denkmal weg.

Die Griechen erbeuteten bei ihren Siegen keine heiligen Statuen, sondern Waffen und kostbare Geräte.

Blanke Habsucht und Frevel und Furcht vor dem Zorn der Götter bestimmten wechselweise das Handeln der Griechen (Bsp.: der Tyrann Dionysios, welcher beim Überfall auf das etruskische Heiligtum von Pyrgi ungeheure Beute machte und anschließend Teile verkaufte und später verlangte, die Menschen mögen den Göttern zurückgeben, was sie gekauft hätten.)

Alexander der Große war anders als die Perser. Als er nach Asien zog, rächte er sich für die von ihnen in Griechenland begangenen Taten nur an den Menschen und ließ aber alles weiter bestehen, was den Göttern geweiht war.

Beim Beutemachen waren die römischen Feldherrn und ihre Heere nicht durch religiöse Rücksichten gehemmt. Man plünderte aus dem Privatbesitz (praeda) und verwendete das Erbeutete auch privat
(Geld). Man konnte für den öffentlichen Besitz (manubiae),meistens Heiligtümer, plündern.

Die Feldherren des 2.Jhd vor Christus sahen die Beute noch nicht als
privaten Besitz. Sie stifteten die Heiligtümer und Statuen der Stadt Rom oder ihrer Klientel , ganz im Gegensatz zu denen des 1.Jhds vor Christus.

berühmtes Beispiel von nicht nachahmenswertem Verhalten: Proprätor der Provinz Sizilien, Verres, der sich an seine eigenen Provinzen bereicherte. (Repetundenprozess)

Das schwerste Beutestück brachte Octavianus aus Ägypten mit,und zwar einen 21,79m hohen Obelisken.

Die Römer waren sehr stolz auf ihre Statuen. Als Kaiser Tiberius den
lysippischen Apoxymenos (Schaber) enwendet hatte, um ihn bei sich im Schlafgemach zu haben, protestierte das römische Volk so sehr, dass er ihn wieder herausgeben musste!

Letztendlich fand das römische Reich Grenzen und der gewaltsame Erwerb von Kunstschätzen war politisch nicht mehr durchsetzbar.

So wurden Kopien berühmter Meisterwerke angefertigt um den riesigen Bedarf an Kunst im öffentlichen und privaten Bereich zu decken.

Nur Nero und Caligula (bronzener Eros des Praxiteles) wurden noch des Massenraubs beschuldigt.500 Bronzestatuen von Göttern und Menschen wurden auf Neros Befehl von Olympia nach Rom gebracht.

In der Antike war es das Recht des Siegers, die Gegner zu töten/versklaven und den Besitz an sich zu nehmen (und dem eigenen Land zu schenken). Durch das Rauben der Kulturbilder des Feindes wurde die Macht dem Feind entzogen und auf das eigene Volk gewandt. Waffen des Gegners wurden auch mitgenommen, um den Sieger zu ehren und um seine Überlegenheit anzuzeigen.

In der Frühzeit wurde heilige Beute nur als Unterpfand des Sieges aufbewahrt.

Römer hatten gegenüber fremden Heiligtümern bis ins 3. Jahrhundert vor Christus keine Skrupel. Bei der Vernichtung des Feindes kümmerten sie sich um seine Götter, durch „evocatio“ (= Römer riefen die Schutzgötter der jeweiligen belagerten Stadt an, damit deren Bewohner nicht auf göttliche Hilfe zählen konnten).

Unter Kaiser Vespasian kam es zu großen Plünderungen, nicht nur von kostbaren Kunstwerken, sondern von Tempelschätzen. Titus (Eroberer von Jerusalem), Vespasians Sohn feierte mit seinem Vater den Sieg über die Juden.

Man nahm den Juden alle religiösen Gegenstände aus dem Tempel weg; vergoldete Gegenstände , Torarolle, Vorhang des Allerheiligsten (welcher in den Kaiserpalast als Unterpfand des Sieges kam).

Zu einer eventuellen Rückgabe geraubter Götterbilder kam es eher aus politischen Gründen als aus Frömmigkeit.

(Quelle zu „evocatio“: http://sphinx-suche.de/magie/evocatio.htm)


 

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