Biografie: Indira Gandhi
Als einziges Kind von Jawaharlal und Kamala Nehru wurde Indira Priyadarshini Nehru am 19 November 1917 in Allahabad, in der Provinz Uttar Pradesh geboren. Ihr Vater gehörte zu einer vornehmen Brahmanenfamilie (einer der obersten Kaste in Indien) in Kaschmir, die zur angesehensten Gruppe innerhalb des hinduistischen Gesellschaftsystems Indiens zählt. Schon Indiras Großvater Motilal Nehru war zweimal Präsident der sogenannten Congress Party und nahm zusammen mit seinem Sohn Jawaharlal an der indischen Unabhängigkeitsbewegung gegen die britischen Besatzer teil.
Jawaharlal Nehru war in der Zeit seines Lebens äußerst politisch aktiv und war als engster Mitarbeiter Mahatma Gandhis mehrfach in Haft. Von der Unabhängigkeit Indiens 1947 bis zu seinem Tod im Jahr 1964 war er Ministerpräsident seines Landes.
Indira besucht Schulen und Universitäten in Indien und Europa, danach wird sie 1938, mit 21 Jahren, Abgeordnete der Congress Party. Auch sie ist kurzfristig in Haft.
Im Jahr 1942 heiratet Indira einen gewissen Shri Feroze Gandhi, angehöriger der Kaste der Parsi. Er ist zwar mit dem weltweit berühmten Mahatma Gandhi nicht verwandt, dennoch wird die Namensgleichheit später Indiras Karriere erleichtern.
1944 und 1946 kommen ihre Söhne Rajiv und Sanjay zur Welt. Sie bleibt bei ihnen zu Hause, bis in deren Teenageralter. Dann kehrt Indira wieder in die Politik zurück. Im Jahr 1955 wird sie Präsidentin des Indischen Nationalkongresses. Diese Präsidentschaft dieser wichtigsten indischen Partei ist die Voraussetzung für die Übernahme der Macht im Staat.
Ihren politischen Einfluss auf Nehru kann man zum Beispiel daran erkennen, dass er auf Anraten Indiras dem 14. Dalai Lama (Dainzin Gyaco, jetziger Dalai Lama in der Exilregierung Tibets) im März 1959 Asyl gewährte. Über 100.000 Tibeter folgten damals den Dalai Lama in das Exil nach Indien, was erhebliche Schwierigkeiten mit dem Nachbarn China bedeutete.
1960 stirbt ihr Mann, von dem sie allerdings die meiste Zeit bereits getrennt lebte. Vier Jahre später stirbt auch ihr Vater. Unter seinem Nachfolger Lal Bahadur Shastri kann Indira als Presse und Informationsministerin Erfahrungen sammeln.
Als Shastri nach einem Herzinfarkt 1966 stirbt, wird Indira Gandhi als erste Frau Ministerpräsidentin Indiens.
Die nächsten Parlamentswahlen fallen für ihre Partei schlecht aus, aber Indira gelingt es mit Hilfe wechselnder Koalitionen bis 1977 im Amt zu bleiben. In der Innenpolitik vertritt Indira eine Art Staatssozialismus (Sozialismus, der sich auf Verstaatlichung der Produktionsmittel und des politischen Monopols bezieht). Außenpolitisch vertritt Indira den Kurs der Blockfreiheit und setzt damit den Kurs ihres Vaters fort.
Trotzdem verlässt Indira Gandhi diesen außenpolitisch anerkannten Weg, um zugunsten der Unabhängigkeitsbewegung in Bengalen (historische Region im Nord-Osten Südasiens), Truppen gegen Pakistan einzusetzen. Nach Beendigung der Kämpfe entsteht 1971 der freie Staat Bangladesch. Durch die Spaltung Pakistans hat sie den Nachbarstaat entscheidend geschwächt. Indien wird zur stärksten Macht des Subkontinents und Indira ist an ihrer höchsten Macht angelangt.
Doch sie hat auch innenpolitische Probleme: Soziale Spannungen nehmen zu, durch Dürreperioden gibt es eine wachsende Verelendung vieler Menschen.
1977 verliert Indira Gandhi die Wahlen. Ihr Nachfolger Moraji Desai will sie und ihren Sohn Sanjay wegen Gesetzesverstößen (Missbrauch eines Staatsbeamten zu Wahlkampfzwecken) zur Rechenschaft ziehen. Die Presse spricht von einem „Indiragate“. (und spielt damit auf die ehemalige Watergate-Affäre in den USA an) Salman Rushdi schreibt in seinem Buch „Mitternachtskinder“ gegen sie. Die Vorwürfe werden eingestellt.
1980, nach der Gründung einer neuen Partei, den „Indian National Congress“ (Nachfolgepartei der ehemaligen „Congress Party“), erzielt sie bei den Wahlen einen triumphalen Erfolg. Im Juni desselben Jahres kommt Indiras Sohn Sanjay bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.
In den kommenden Jahren wird die innenpolitische Situation durch separatistische Sikhs, eine starke religiöse Gruppe, immer gefährlicher. Nach schweren Unruhen besetzen sie 1984 ihr Heiligtum, den „Goldenen Tempel von Amritsar“. Mit der sogenannten Operation „Blue Star“ wird der Tempel auf Anordnung Indira Gandhis gestürmt, 2000 Sikhs sterben.
Am 31 Oktober 1984 sollte der englische Schauspieler und „Weltbürger“ Peter Ustinov in Neu-Delhi im Auftrag des Fernsehersenders BBC ein Live-Interview mit Indira drehen. Sie verzichtet wegen der Fernseherkamera aus Eitelkeit auf die kugelsichere Weste und wird in ihrem Garten von einem Skih-Leibwächter erschossen.
Ihr Sohn Rajiv Gandhi trat ihre Nachfolge an und war von 1984 bis 1989 Premierminister Indiens. In seiner Amtszeit fallen vor allem Friedensgespräche mit Pakistan und er war durch seine liberale Einstellung im Ausland sehr beliebt.
Rajiv Gandhi wurde 1991 durch eine Selbstmordattentäterin umgebracht.
Quellen:
(Alle Quellen abgerufen am: 09.11.2010)
[Internet, http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/indira-gandhi/]
[Internet, http://de.wikipedia.org/wiki/Indira_Gandhi]
[Internet, http://de.wikipedia.org/wiki/Rajiv_Gandhi]
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