Warum ist Ophelias Bruder Laertes außer sich? Ist er das erste Mal in seinem Leben mit solch einem Problem konfrontiert? Warum ist er im Gegensatz zu seiner Schwester nicht verrückt geworden?
Wie gehen Menschen allgemein mit Trauer um? Kann man Trauernden auf eine Weise helfen? Was ist überhaupt Trauer? Kann man den Begriff verallgemeinern, oder ist er für jede einzelne Person etwas anderes?
Seit dem der alte König Hamlet gestorben ist (eigentlich getötet wurde), ist nichts mehr wie davor im Königshaus der Dänen: Die Königin heiratet nach nur drei Monaten Trauerzeit Claudius, den Bruder des früheren Königs; Hamlet, der junge Prinz und wahre Thronfolger benimmt sich eigenartig. In Wirklichkeit tarnt sich aber dieser nur, weil er nicht haben will, dass andere sein „finsteres“ Geheimnis herausfinden. Hamlet hat nämlich den Auftrag vom Geist seines Vaters, der nachts immer aus dem Fegefeuer auftaucht, bekommen sich an dessen Tod beim Mörder (dem Onkel Claudius) zu rächen, aber gleichzeitig seine Mutter nicht zu verletzen.
In der ganzen Situation vernachlässigt Hamlet seine Liebhaberin Ophelia, und tötet in einem Konflikt ungewollt (er glaubte, es wäre Claudius) deren Vater Polonius. Dies bringt die junge Dame zum „Ende“; sie kann einfach nicht mehr mit all den Geschehnissen mithalten und erleidet einen Nervenzusammenbruch und wird psychisch krank.
In dem Zitat, dass ich gelesen habe, geht es um einen Dialog zwischen Ophelia und ihrem Bruder Laertes. Ihre Verrücktheit ist unübersehbar. Anstatt sich ruhig zu unterhalten singt Ophelia lachend und schreiend, und ist sich ihres Benehmens nicht bewusst. Sie ist plötzlich ohne Nichts geblieben; ohne ihren Vater und ohne ihren Geliebten Hamlet. Ihre Verzweiflung bringt sie zum Wahnsinn. Nicht einmal Laertes ist ihr mehr ein Trost.
Laertes ist nach dem „Treffen“ noch wütender, und will sich beim Mörder seiner Vaters rächen, weil dieser Ophelias Leben für immer zerstört hat. Seiner Trauer hingegen ist anders als Ophelias: Er unterspielt seinen Schmerz und dabei wächst nur seine Rachsucht und Wut, welche im Wahren eigentlich Traurigkeit ist.
Menschen reagieren verschieden auf Trauer. Manche werden aggressiv, um somit ihre Verletzlichkeit zu verstecken, andere verlieren ihren Verstand, weil sie mit der Situation nicht klar kommen können. Ein Teil wiederum zieht sich in sich zurück – wird also introvertiert , oder findet für sich eine Ablenkung, um nicht darüber nachzudenken.
Zu Trauern ist etwas ganz Natürliches. Es hilft uns, mit einem traumatisierendem Geschehen umzugehen zu können und unsere Gefühle leichter auszudrücken. Die meisten Leute trauern um verstorbene Menschen, welche ihnen sehr viel bedeutet haben. Manche trauern die ersten Monate nach dem Verlust, die anderen hingegen ihr ganzes Leben. Ein Verlust eines für jemanden bedeutenden Menschen kann ein Leben sehr beeinflussen. Jeder hat das Recht so lange er will und auf seine eigene Art zu trauern, weil nur so kann sich der Schmerz lindern. Auch wenn die Trauerzeit nichts Schönes ist und eine Weile dauert, hilft es uns doch, wieder danach in den Alltag zurückzukommen und sein bisheriges Leben weiterzuleben.
Shakespeare beschreibt die Szene ziemlich dramatisch und lebendig. Einerseits gibt es den ernsthaften und besorgten Laertes, und andererseits Ophelia, welche kindisch und verwirrt ihre Kommentare von sich gibt. Aus dem Text kann man seine Verzweiflung, und ihre „Verrücktheit“ vollkommen spüren. Und das gibt dem Leser das Gefühl, er wäre mitten im Geschehen des Stückes.
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