INTERPRETATION
Das Gedicht „der Überlebende“ von Erich Fried hat die Aufarbeitung des Holocausts zum Thema.
Sein Gedicht ist Formal und auch Inhaltlich in 3 Teile gegliedert, wobei der mittlere Teil der längste ist. Traditionelle formale Lyrikelemente wie Versmaß und Reimschema gibt es nicht. Die Zeilen sind unterschiedlich lang und die Sprache ist extrem einfach. Fried macht bis auf wenige Ausnahmen keine Satzzeichen und setzt sich teilweise über die gewöhnliche Groß und Kleinschreibung hinweg. Hauptworte werden zwar groß geschrieben aber einmal wird am Satzanfang ein Kleinbuchstabe verwendet. An Satzzeichen ist auffällig dass es zwar Fragezeichen, jedoch keine Beistriche und Punkte gibt. Auch werden alle drei Absätze mit einem W begonnen.
Der Titel seines Gedichts legt zwar nahe dass es sich in diesem Gedicht um einen Überlebenden eines Konzentrationslager handelt, doch bei genauerer Betrachtung des Gesamtwerks fällt auf, das diese Annahme nie konkret bestätigt wird. Am Anfang wirft er durch die Zynische Wiederholung des Worts Glück die Frage auf inwiefern es möglich ist nach einem solchen Ereignis wie dem Holocaust noch ein glückliches Leben zu führen. Ich denke dass diese Aussage nicht unbedingt auf einen Überlebenden eines Kzs bezogen sein muss, sondern auch auf die überlebende Bevölkerung im Allgemeinen bezogen werden kann.
Eine Zeile später fragt Fried: „Warum trägt es die Schuld der Unschuld?“ wobei mit es das Leben nach dem dem Holocaust gemeint ist. Ich denke dass diese Aussage sehr vielfältig auslegbar ist. Fried könnte damit meinen das die Deutschen als Volk nichts gegen den Holocaust getan haben und somit ihre Kollektive Schuld ansprechen. Eine andere Möglichkeit währe dass er damit das „schlechte Gewissen“ eines Überlebenden nach seiner Gefangenschaft im KZ anspricht. Ein schlechtes Gewissen das daraus resultiert das nur die stärksten das KZ überleben konnten, wie „Viktor E. Frankl“ in vielen seiner Werke beschreibt.
Des weiteren schreibt er:“die Gegenschuld die wiegt so schwer wie die Schuld der Töter wie ihre Blutschuld die entschuldigte abgewälzte“. Ich denke dass er hier eindeutig die Schuld derer anspricht, die nichts getan haben um den Aufstieg der Nazis und den Holocaust zu verhindern und ihre Schuld an den damals gewaltsam regierenden Autoritäten abwälzten.
Im letzten Absatz thematisiert er meiner Meinung nach sein eigenes schlechtes Gewissen, dafür dass er damals nach England geflohen ist jedoch viele es nicht mehr geschafft hat. Es könnte aber auch auf die paradoxen Schuldgefühle von Überlebenden nach dem KZ bezogen sein.
Ich denke dass Fried mit diesem Gedicht nicht die Problematik eines Überlebenden von einem Konzentrationslager thematisieren, sondern seine eigenen Schuldgefühle verarbeiten wollte. Mit seiner Flucht nach England hat er sein Leben gerettet aber auch seinen Problemen den Rücken gekehrt. Natürlich ist es legitim sein Leben zu retten, trotzdem denke ich das er ein schlechtes Gewissen hat weil er damals einfach geflüchtet ist.
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