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Bernhard Schlink: der Vorleser - Bindende Faktoren

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Bindende Faktoren


In Bernhard Schlinks Buch der Vorleser, schreibt er über eine Frau die Analphabetin ist und Aufseherin in einem Konzentrationslager war. Das Buch ist aus der Perspektive eines Erzählers berichtet, der eine Beziehung mit der Frau hatte. Zum Zeitpunkt ihrer Beziehung ist er 15 Jahre alt und Schüler an einem Gymnasium. Sie ist Straßenbahnschaffnerin und wohnt in einer kleinen Wohnung von nahe ihm, Michael. Jahre später als Michael Jura studiert trifft er im Rahmen seiner Ausbildung wieder auf sie, Hanna.

Hanna ist wegen ihrer Vergangenheit als SS-Lageraufseherin, gemeinsam mit 4 anderen Aufseherinnen, angeklagt. Während des 2.Weltkriegs lehnt sie eine Beförderung bei Siemens ab weil sie Angst hat dort schreiben und lesen zu müssen, die Alternative zu dieser Beförderung ist eine Stelle als Kz-Lageraufseherin, in einem kleinen Vorlager. Dort lasst sie sich immer von schmächtigen Kindern vorlesen welche sie nach einem Monat deportieren lässt, wahrscheinlich um zu vermeiden das jemand von ihrem Geheimnis erfährt. Als der Krieg dem Ende zu geht müssen sie und die anderen Lageraufseherinnen das Lager auflösen und fliehen. Als sie am Abend in ein Dorf kommen sperren sie die Gefangenen in einer Kirche ein. Doch das Dorf wird von Flugzeugen Bombardiert und die Kirche fängt Feuer. Bis auf eine Frau und ihre Tochter verbrennen alle in der Kirche. Im Prozess geht es um die Schuld der Aufseherinnen am Tod der Gefangenen und warum sie die Kirchentüre nicht aufgeschlossen haben.
Während des Prozesses fällt Hanna oft aufgrund ihrer Unkenntnis im bezug auf die Anklageschrift und andere schriftliche Dokumente auf. Sie wird wird im Endeffekt trotz ihres schweigens nicht als Lagerführerin verurteilt, da Michael dem Richter von ihrem Problem berichtet.   
Ich denke dass Hanna aus mehreren Gründen nicht zu gibt Analphabetin zu sein. Einerseits weil es ihr einfach peinlich ist, weder lesen noch schreiben zu können. Mit einer Preisgabe ihres Problems, würde sie sich selbst vor allen bloß stellen und somit als ungebildet und möglicherweise dumm verachtet werden.
Eigentlich ist das noch kein Grund ins Gefängnis zu gehen, jedoch gibt es noch einen anderen wichtigen Aspekt. Nicht preis zugeben Analphabet zu sein hat sich in Hannas Leben wahrscheinlich mehrmals als einfachere Lösung herausgestellt als gedemütigt und schikaniert zu werden. Sie hat möglicherweise auf eine Kleinigkeit verzichtet aber nichts was sich mit der Demütigung gleichstellt die man erfährt wenn man als ungebildet und dumm abgestempelt wird. Warscheinlich war es auch bequemer sich einen Job zu suchen bei dem man nicht lesen und nicht schreiben muss, als Hilfe zu suchen und es zu lernen. Doch nach einer gewissen Zeit befindet sie sich warscheinlich in einer Zwickmühle denn Kz-Lageraufseherin zu werden ist wahrscheinlich nicht ihr Traumjob. Doch wenn sie in diesem Moment zugegeben hätte nicht schreiben zu können, hätte sie auch bestätigt das alle anderen ihrer Verheimlichungen falsch gewesen währen. Je länger sie dieses „Netz aus Lügen“ weiter spinnt desto schwieriger wird es die Wahrheit zu sagen. Dieses Problem wird in der Psychologie auch als „bindende Faktoren“ bezeichnet und ist anhand des „Milgramm Experiments“ gut zu veranschaulichen. Ich denke dass dieser Faktor die Hauptursache für ihre Verleugnungen ist.

 

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