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Malin Schwerdtfeger: Mein erster Achttausender

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Die Kurzgeschichte „Mein erster Achttausender“ von Malin Schwerdtfeger, thematisiert eine Eltern-Kind-Beziehung. Die Handlung beginnt mit der Ankunft der Mutter, die von einer ihrer vielen Expeditionen wieder nach Hause kommt. Die Erzählerin, bzw. Tochter, welche durch die ständige Abwesenheit der Mutter die Elternrolle belegt und sich um ihren kranken Vater kümmert, lässt deutlich die Eifersucht auf die Freiheit ihrer Mutter und das Unglück über die Kommunikationslosigkeit zwischen ihren Eltern spüren. Am Ende gibt die Erzählerin ihrem Wunsch nach und begleitet ihre Mutter auf deren nächste Expedition.

Der Text hat nach einem untypischen Einstieg mitten ins Geschehen, eine fortsetzendes, zeitentsprechendes Erzähltempo dass durch einige Rückblenden unterbrochen wird um die Hintergründe der Handlung zu erklären. Die Kurzgeschichte spielt im 21. Jahrhundert, da die Benutzung von Laptop und anderen modernen Geräten aus dem Text hervorstechen.

Die ganze Geschichte dreht sich um drei Menschen, die Mutter, den Vater, und die Erzählerin, bzw. Tochter. Die Mutter eine sehr egozentrische Frau, welche mit der Verantwortung ihrer Tochter und ihrem Mann gegenüber nicht klar kommt flüchtet in ihre Expeditionen. Sie hat zu ihrer Tochter eine oberflächliche Beziehung, was dem Anschein nach darauf zurückzuführen ist, dass sie keine Verantwortung tragen möchte. Sie braucht eindeutig ihren Freiraum um ihre Abenteuerlust ausleben zu können. An stelle ihrer Tochter hätte sie lieber eine Freundin mit der sie all ihre Abenteuer und Romanzen teilen kann.

„Nachts kam sie an mein Bett und erzählte stundenlang von ihren Wanderungen mit den Schafhirten und ließ mich nicht schlafen. Sie erzählte auch von einem Hirten namens Dmitri, in den sie sich verliebt hatte.“

Dass die Mutter nachts kommt deutet klar darauf hin, dass sie anstatt ihrer Tochter die Freundin in der Erzählerin sieht.

Zischen Vater und Mutter herrscht jedoch keine Kommunikation. Die Mutter hat eindeutig kein Interesse am Vater welcher dennoch Versuche startet die Beziehung zur Mutter wieder zu bessern.

„Sag ihr, sie soll kommen und mir guten Tag sagen.“

Mithilfe der Tochter da er das Bett nicht verlassen kann, versucht der Vater der Beziehung eine Wendung zu geben. Wird jedoch von der Mutter weiterhin als nicht vorhanden empfunden. Der Vater welcher mit der herrschenden Situation unzufrieden ist flüchtet sich immer mehr in die Isolation, die einzige Bezugsperson die er noch hat ist seine Tochter. Die Beziehung zur Erzählerin ist durch Kontinuität und gegenseitiger Abhängigkeit geschützt. Die Tochter ist finanziell und der Vaters ist wegen seiner Krankheit auf die Pflege seiner Tochter angewiesen. Da das Mädchen ihn regelmässig sieht haben sie eine relativ gute aber dennoch oberflächliche Beziehung. Die Erzählerin welche die Elternrolle belegt und ihren Vater versorgen muss, ist eifersüchtig auf die Freiheit ihrer Mutter. Sie wünscht sich die Mutter als Vorbild und das Ende ihres eintönigen und anstrengenden Alltags. Sie fühlt sich von beiden Elternteilen im Stich gelassen und bekommt keine Orientierungsmöglichkeit.

„…ist es nicht längst Zeit für die Schule? (fragt die Mutter) Wir haben Ferien, sage ich.“

„Wo willst du hin mit dem Rucksack? Fragt Papa, und das hatte mich noch niemand gefragt.“

Diese Zitate zeigen, dass sich beide Elternteile nur um sich selbst kümmern, und ihre Tochter sich selbst überlasse. Erst als eine Abnormalität, in diesem Fall als sie mitten in der Nacht mit einem Rucksack im Haus herumläuft, werden sie neugierig.

Die Autorin Malin Schwerdtfeger arbeitet mit einigen Schlüsselwörtern um den seelischen Zustand der Personen zu verdeutlichen.

„Im Schlafzimmer war es kühl und dunkel.“

Mit den Worten kühl und dunkel lässt die Schreiberin die Erzählerin auf die Isoliertheit und die Verbitterung des Vaters hindeuten aber auch wie unwohl die Tochter sich fühlt.

„Ich rannte in die Küche, holte die Milchtüte aus dem Kühlschrank, ein Glas aus der Anrichte und goß so hastig ein, daß etwas auf den Boden kleckerte. Als ich die Tabletten aus der Packung in die Milch drückte, vergaß ich mitzuzählen.“
Die Art wie sich die Erzählerin ausdrückt spiegelt die große innere Aufregung und die Verwirrung über das eigene Handeln wieder. Aber auch die Wortwahl der Autorin betont den Gefühlszustand noch.

Indirekt stellt die Schreiberin Vergleiche zwischen Vater und Mutter her: Während der Vater sich in seinem Bett verkriecht und sich von seiner Tochter verwöhnen lässt flüchtet die Mutter in andere Länder und lässt sich von anderen Männern ablenken. Dieser indirekte Vergleich hilft uns nachzuvollziehen wie es zu so einer Eltern-Kind-Beziehung kommen konnte, bzw. wie es dazu kam, dass die Erzählerin in eine Elternrolle schlüpfen musste und keine Orientierungsperson mehr hat.

Stilistisch verwendet die Autorin eine simple Wortwahl sowie einen einfachen Satzbau. Das Erzähltempus der Kurzgeschichte ist die Gegenwart mit einigen Zeitsprüngen in die Vergangenheit. Durch die simple Art und Weise wie der Text geschrieben ist, fällt es einem leichter sich mit der Protagonistin zu vergleichen. Die Zeitsprünge in die Vergangenheit erlauben einem die Beziehungen zwischen den Charakteren besser zu verstehen.

Die heutige Relevanz des Themas in „Mein erster Achttausender“ von Malin Schwerdtfeger kann man auf verschiedene Arten deuten. Einerseits das Problem dass die beiden Elternteile nicht mehr miteinander auskommen, neue Familien gründen und die Verantwortung für das Kind dem jeweils anderen Partner zuschieben. Andererseits kommt es oft vor in der heutigen Gesellschaft dass beide Elternteile ganztags arbeiten und das Kind sich selbst überlassen ist. Es kann aber auch vorkommen, dass ein Elternteil krank wird oder stirbt und das Kind in die Elternrolle schlüpft weil der zweite Elternteil arbeiten muss. Alle diese Themen haben ihre Relevanz nicht verloren und kommen auch heute noch häufig vor. Ich glaube das es in Zukunft sogar noch schlimmer wirt, weil wir immer weniger Zeit haben.

Mir persönlich hat beim Lesen dieses Textes nicht nur die Einfachheit gefallen in der die Autorin so wichtige Themen verständlich macht, sondern vor allem auch der Rollentausch Mutter-Tochter. Man könnte die Mutter mit einem Teenager vergleichen, immer die Unabhängigkeit suchend und Abenteuerlust, sowie die Loslösung von den Eltern. Die Erzählerin, bzw. Tochter, verkörpert das Bild einer Mutter die ihre Jugendfreiheit wieder zurückhaben will.

Im Großen und Ganzen war die Kurzgeschichte gut und verständlich geschrieben, das Thema gut in die Handlung eingebaut und für Jedermann leicht verständlich.