Die Kurzgeschichte „Das Duell“ von Irmtraud Morgner, geschrieben in den achtziger Jahren, handelt vom kauf eines Rollers und die darauf folgende Inakzeptanz der Umwelt, wegen der Abweichung von den gesellschaftlichen Normen in der Geschichte geht es um eine Frau die sich ihren Kindheitstraum erfüllt und einen Roller kauft. Dieses Verhalten ist für ihr Umfeld verwirrend und unverständlich, sie wird verklagt und für Verrückt erklärt. Die Autorin übt mit ihrer Kurzgeschichte Kritik an den Gesellschaftsnormen aus und zeigt die Ignoranz und Inakzeptanz der Menschen für das Unverständliche.
Die Schriftstellerin Irmtraud Morgner versteht es in einem mosaikartigen Einblick ins Leben einer Figur sie mit Hilfe von Andeutungen, Rückblicken und Schriftbild lebendig wirken zu lassen. Ebenfalls erschafft sie so ein realistisches und verständliches Bild. Der Wechsel zwischen zeitdeckendem und zeitraffendem Erzählen macht die Geschichte noch lebendiger, ebenso wie die Rückblenden in die Kindheit der Hauptperson.
„...Als Kind hatte ich von Holzrollern geträumt. Ein Mädchen vom Nebenhaus besaß einen gummibereiften zu sieben Mark achtzig...“ (Zeile 37)
Irmtraud Morgner benützt den klassischen Ich-Erzähler, dadurch kann man sich besser mit der Hauptfigur identifizieren. Aus diesem Grund kommt es aber auch zu einer subjektiven indirekten Charakterbeschreibung in einer Kurzgeschichte. Auf Grund der Tatsache das dieser Text einen Ich-Erzähler hat der weder sich selbst noch andere Charakteren beschreibt ist das kein Problem. Da der Erzähler niemanden beschreibt ist die Charakterisierung eher ein persönlicher Eindruck den der Text vermittelt. Man könnte dieses nicht beschreiben der Figuren aber auch auf den Ich-Erzähler zurückzuführen ist und zu sagen, dass er nicht vorschnell urteilt was eine bemerkenswerte Eigenschaft ist. In diesem Text ist der Ich-Erzähler eine Schaffnerin, die ein Symbol für eine Abweichung von der Norm ist, bzw. könnte man auch herausinterpretieren das sie sich über die Gesellschaftsnormen lustig macht indem sie sich selbst darüber hinweg setzt. Ihr kindlicher Wunsch unbedingt einen Roller haben zu müssen ist für die Gesellschaft inakzeptabel. Sie hingegen macht sich über solche Leute lustig und ist sich vollkommen bewusst dessen was sie tut. Obwohl sie sich den Menschen in ihrer Umgebung fügt behält sie immer die Gewissheit das sie etwas hat was alle anderen wollen, sie hat das „Kind in sich“ akzeptiert und die Lust am Leben entdeckt, was vor allem durch ihr Schriftbild zu Tage kommt.
„...Ich besiegte ihn immer. So eroberte ich binnen kurzen die Straßen des Stadtbezirkes und eine mir umständehalber bis dahin vorenthalten gebliebene Lustbarkeit des Lebens. Ich pries sie, wo sich Gelegenheit bot...“ (Zeile 60-61)
Der Text vermittelt einem das Bild das die Hauptperson genau weiß was mit den Menschen in ihrer Umgebung los ist, es aber nicht akzeptieren will sich irgendwelchen Normen unterzuordnen. Ihr Verhalten ist für die Menschen in ihrer Umgebung Nerven aufreibend und unverständlich. Da Erwachsene es an sich haben Verhaltensarten die sie nicht verstehen, nicht nachvollziehen können oder auf die sie Eifersüchtig sind verachten für schlecht oder verrückt erklären, wurde die Beziehung zwischen der Hauptcharaktere und ihrer Umwelt dementsprechend.
„...Als ich wiederkehrte, versperrte eine Menschenmenge den Torweg. Ich fragte, ob man gestatten würde, man gestattete, zögernd, eine Frau verlangte Auskunft über den Zweck, zu welchem ich mich derartig benähme...“ (Zeile 65-67)
„...Die Menschenmenge sah misstrauisch zu mir hinauf. Am anderen Morgen besuchte mich ein Herr in meiner Wohnung und protestierte gegen derartige Provokationen,...“ (Zeile 67-68)
„...Kurz darauf kam die Mitteilung, dass gegen mich eine Anzeige wegen groben Unfugs sowie Erregung öffentlichen Interesses vorläge...“ (Zeile 82-83)
Die einzigen Menschen in ihrer Umgebung die sie akzeptierten waren die Kinder welche ihre offene und spielerische art die im krassen Gegensatz zu der steifen Art der üblichen Erwachsenen stand mochten.
„...Die Kinder hörten mir zu...“ (Zeile 64)
Der Ich-Erzähler, die einsträngige Handlung sowie der sofortige einstieg ins Geschen sind gattungsspezifische Merkmale der Kurzgeschichte welche auch hier vertreten sind. Auch das offene Enden das zum Nachdenken anregt ist ein typisches Merkmal der Gattung Kurzgeschichte. Die Behandlung eines aktuellen Themas steht im Vordergrund, Ostsgestaltung und Schauplatzbeschreiben bleiben meistens aus, wie auch beim Text „Das Duell.“ Auch das benützen von Metaphern um Gefühle zu verdeutlichen ist beleibt in dieser Text Gattung.
„.. und lachte ihn tot.“ (Zeile 86)
Eine Metapher dafür das sie trotz des anscheinenden Gewinns der Menschen in ihrer Umgebung ihnen überlegen ist weil sie die Lust am Leben hat und sich auch traut sie aus zu Leben.
Der lakonische, sachliche und manchmal kindische Still unterstreicht die Persönlichkeit der Hauptfigur. Die einfache und umgangssprachliche Ausdrucksart macht den Text leicht verständlich und gibt ein Bild über die einfache und teilweise ungebildete Art der Menschen. Teilweise gibt sie dem Text auch eine Ironische Note, welche die Ernsthaftigkeit des Themas ein bisschen abschwächt.
Dadurch dass die Autorin Irmtraud Morgner in der Nachkriegszeit aufgewachsen ist, erkennt man ein autobiographisches Element im Text. Der Wunsch zum Beispiel unbedingt diesen Roller haben zu wollen und ihn mit stolz zu besitzen. Die Gier, welche dadurch zum Ausdruck kommt das die Hauptperson nicht mehr warten kann auf den Roller. Auch das entdecken der kindlichen Freude und der Lebenslust ist ein Zeichen für die fehlende Kindheit aufgrund der schweren Zeiten.
Persönlich hat mir die Kurzgeschichte gut gefallen. Ein Thema das immer noch aktuell ist und Wahrscheinlich es auch immer sein wird, wird auf eine interrasante und gute Art erläutert. Die Autorin hat eine lebhafte art zu schreiben die mir sehr gut gefällt und, meiner Überzeugung nach, die Hauptcharaktere verständlicher macht. Es ist mir leicht gefallen mich in die Schaffnerin hinein zu versetzen, was ich äußerst wichtig finde bei einem solchen Thema.
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