Fast alle Beziehungen gehen von der Hauptperson, Emilia, aus. Einzig und allein Marinelli hat mit ihr nichts direkt zu tun. Emilia bildet mit ihren Eltern und ihrem Verlobten, dem Grafen Appiani ein „positives Viereck“, in dem jeder zu einander eine gute Beziehung pflegt. Appiani macht als Emilias ausgewählter, künftiger Ehemann vor den baldigen Schwiegereltern ein gutes Bild und auch sein Adelstand gefällt ihnen. Aber Appiani ist auch von Odoardo begeistert. Er sieht ihn als „Muster aller männlichen Tugend“ und als Vorbild, welches wichtiger erscheint, als Emilia selbst. Die letzte direkte Beziehung führt sie mit dem Prinzen, Hettore Gonzaga, beziehungsweise er nur mit ihr, da das eine einseitig erstrebte Beziehung ist, die nur von ihm ausgeht. Er begehrt sie und will sie besitzen, doch sie ist verlobt und will sich an die Pläne ihrer Eltern halten. Daher versucht sie, ihn so gut wie möglich zu ignorieren. Er hat mit Emilia das gleiche Verhältnis, wie die Gräfin Orsina mit ihm, denn diese begehrt wiederum ihn, doch sie hat die Rolle als abgewiesene Mätresse des Prinzen. Also geht von ihr eine weitere einseitig erstrebte Beziehung aus. Die restlichen Beziehungen des Prinzen Marinelli, Camillo Rota und Conti sind gegenseitig gut geführte Beziehungen. Marinelli zeigt er sein Vertrauen, indem er es ihm überlässt, die Entführung Emilias zu organisieren. Erst als er vom Tod des Grafen Appiani erfährt, befürchtet er Schwierigkeiten und entzieht Marinelli die diesem anvertrauten Aufgaben. Dieser zeigt sich so erkenntlich, indem er Gonzaga hilft, den Staat zu lenken, und Dinge erledigt, wie den Mord auszuführen.
Die einzige gestörte Beziehung führt Marinelli mit dem Grafen Appiani, der sich an den bürgerlichen Werten orientiert. Zusätzlich geht von Marinelli, welcher ein Meister der höfischen Intrige ist, eine Feindschaft aus. Warum das so ist, erfährt der Zuseher nicht, man weiß nur, dass die zwei sich nicht mögen. „…- ich weiß wohl, dass Sie, Marinelli, ihn nicht leiden können, ebenso wenig als er Sie -…“ (I,6). Emilia und die Gräfin Orsina verkörpern zwei unterschiedliche Frauentypen. Obwohl sie sich nie begegnen, geschweige denn miteinander ein Wort wechseln, führen sie eine Beziehung und zwar eine dargestellte Kontrastbeziehung. Das bedeutet, dass die zwei einander gegenübergestellt werden. Während Emilia als zurückhaltend, tugendhaft, naiv und gehorsam beschrieben wird, die die Ehre der Familie nicht verletzten möchte, wirkt Gräfin Orsina als mutig, tapfer und kritisch, sie benutzt ihren eigenen Verstand, lässt sich nicht leicht täuschen und spielt ihre Sexualität aus.
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