6.1 Emilia Galotti:
Emilia Galotti ist die Hauptfigur des Theaterstücks. Der Zuseher erfährt aber nicht viel über sie, da sie insgesamt nur dreimal auftritt. Sie ist die brave Tochter, die auf ihre Eltern hört und sich im öffentlichen Leben nicht zu Recht finden kann. Sie wird religiös ergezogen und ist äußerst tugendhaft, was auch der Grund ist, warum sie mit dem anderen Geschlecht völlig unerfahren ist. Emilia gilt als junge Schönheit, weshalb sie auch sehr begehrt und umworben ist. Da es ihr nicht gelingt, den Prinzen abzuwimmeln, sie ihn aber nicht tötet, da es ihren Wertvorstellungen widersprechen würde, eine Flucht unmöglich ist und sie nicht ihre Unschuld vor der Ehe verlieren will, stirbt sie am Ende tragisch. „Eine Rose gebrochen, ehe der Sturm sie entblättert“ (5,VII)
6.2 Hettore Gonzaga, der Prinz:
Der absolutistische Herrscher hat durch seinen Rang uneingeschränkte Macht, und nützt diese verantwortungslos aus. Er besitzt die Gräfin Orsina, von der er sich abwendet, als er Emilia kennenlernt. Gonzaga vertraut seinem Kammerherrn Marinelli blind, um zu bekommen, was er will.
Bereits zu Beginn des Stückes sieht man, wie willkürlich der Prinz denkt und handelt. Als Marinelli dem ihm erzählt, dass Emilia Galotti den Grafen Appiani heiraten wird, will er „alles zu genehmigen, […] was diesen Streich abwenden kann“ (I,6). Schon für das Gemälde der Emilia Galotti, bietet der Prinz sehr viel Geld. Zu Conti sagt er „[…] und lassen Sie […] für beide Porträte sich bezahlen, was sie wollen. So viel Sie wollen“ (I,4). Der Prinz glaubt, dass er sich alles kaufen kann, wenn er es möchte und es auch schnell wieder loswerden kann. Er wird sehr leicht von seiner Besessenheit zu Emilia geleitet. Das zeigt sich auch, als der Prinz ein Todesurteil unterschreiben soll: „Ein Todesurteil wäre zu unterschreiben.“ „Recht gern. Nur her! Geschwind!“ (I,8)
Der Prinz sieht die Taten Marinellis nicht bedenklich an. Als er jedoch bemerkt, dass man in ihm selbst den Mörder sucht, beschuldigt er Marinelli und verbannt ihn von seinem Hof: Geh, dich auf ewig zu verbergen! – Geh“ Sag ich. – Gott! Gott! Ist es zum Unglücke so manches nicht genug, dass Fürsten Menschen sind: müssen sich auch noch der Teufel in ihren Freund verstellen?“ (V,8)
Ein weiteres Beispiel, dass der Prinz mit Menschen, zu denen er keinen Kontakt mehr haben will, tut, was er will ist die Gräfin Orsina. Der Prinz erhält von ihr einen Brief, doch er findet es nicht nötig, ihn zu öffnen, da er gerade an Emilia interessiert ist. Als die Gräfin auf dem Lustschloss zu ihm will, lautet die Antwort: „Sie irren sich, gnädige Gräfin. Der Prinz erwartet Sie nicht. Der Prinz kann Sie hier nicht sprechen. Will sie nicht sprechen.“ (IV,3)
6.3 Marinelli, Kammerherr des Prinzen:
Marinelli ist ein sehr ehrgeiziger Charakter, der versucht, sich unentbehrlich zu machen, um so an mehr Macht zu kommen. Er manipuliert den Prinzen regelrecht durch sehr viel Strategie und kommt im Laufe des Stückes an so viel Mitspracherecht, dass das Machtgefälle der Beiden gleichzustellen ist.
6.4 Graf Appiani:
Graf Appiani ist der versprochene Ehemann von Emilia. Durch die bevorstehende Heirat bewegt er sich zwischen zwei Ständen, da er von der Gesellschaft her ein Adeliger ist und sich mit dem wohlhabenden Bürgertum verbinden würde, falls es zur Hochzeit kommt. Andere Charaktere bezeichnen ihn als „ehrwürdig, schön und reich“, selbst der Prinz bezeichnet ihn so, bevor er erfährt, dass er Emilia heiraten würde: „Denn bei alledem ist Appiani […], bei alledem ist er doch ein sehr würdiger junger Mann, ein schöner Mann, ein reicher Mann, ein Mann voller Ehre. Ich hätte sehr gewünscht, ihn mir verbinden zu können. Ich werde noch darauf denken.“ (I,6) Appiani lebt die Vorstellung einer „tugendhaften Familiarität“, wie man sie am Hof nicht leben kann. Am Hof ist das „Haus“ in die höfische Gesellschaft eingeschlossen, in der eine freizügige Sexualmoral herrscht, die man an der Mätressenwirtschaft des Prinzen erkennen kann. Diese Eigenschaften stehen somit im Zwist mit den moralischen Vorstellungen Appianis und Odoardos.
6.5 Gräfin Orsina:
Gräfin Orsina ist nur eine Nebenrolle im Stück und ist trotzdem wichtig, da sie für Ideale wie „Vernunft, Toleranz, Freiheit und Menschlichkeit“ steht. Dass der Prinz nicht mehr an ihr interessiert ist, erfährt sie erst im vierten Akt, im Gegensatz zum Zuseher, der wird darüber schon im ersten informiert. Ab diesem Zeitpunkt will sich sie rächen und kritisiert den Hof. „Verdammt über das Hofgeschmeiß! Soviel Worte, soviel Lügen!“ (IV,3)
6.6 Odoardo Galotti, ihr Vater:
Odoardo Galotti ist das Familienoberhaupt der Galottis, der einerseits streng ist, andererseits aber nur das Beste für seine Familie, vor allem für seine Tochter will. Als Emilia allein den Gottesdienst besucht und von seiner Gattin erfährt dass sie alleine gegangen ist, befürchtet er schon eine unkeusche Tat seiner Tochter. „Ganz allein?“ „Die wenigen Schritte - -„ „Einer ist genug zu einem Fehltritt! -“ (II,3) Da er das Familienoberhaupt ist, bestimmt er den Ehepartner für seine Tochter und deswegen passt es ihm gar nicht, als der Prinz sich in seine Pläne einmischen will und misstraut ihm.
6.7 Claudia Galotti:
Claudia Galotti, Emilias Mutter, ist ihrem Mann unterstellt und stellt eine Vertrauensperson von Emilia da. Das Wohl ihrer Tochter ist ihr genauso wichtig, wie ihrem Gatten. Ihrer Meinung nach braucht Emilia eine städtische Erziehung und nicht, wie es ihr Mann will, eine ländliche, da Emilia nur in der Stadt ihren Verlobten treffen konnte. „Aber lass mich heute nur ein Einziges für diese Stadt, für diese Nähe des Hofes sprechen, die deiner strengen Tugend so verhasst sind. – Hier, nur hier konnte die Liebe zusammenbringen, was füreinander geschaffen war. Hier nur konnte der Graf Emilien finden, und fand sie.“ (II,4) Sie sieht in der Stadt die Möglichkeit für ein selbstständiges Leben und nimmt damit eine „kleine Verfehlung“ in Kauf, da dort der Prinz wohnt. So sind gesellschaftlicher und familiärer Konflikt gegeben. Sie versteht die Empfindungen ihrer Tochter dem Prinzen gegenüber, da ihr selbst der Hof gefällt. Man kann sie sehr leicht beirren, da sie als naiv und unkritisch beschrieben wird.
6.8 Weitere Personen:
Conti, Maler: Kommt nur im ersten Aufzug vor, dient dazu, dass Zuschauer Informationen erhält: Vorgeschichte, Emilia, Charakter des Prinzen
Camillo Rota: einer der Räte des Prinzen
Battista: Bediensteter Marinellis
Pirro: Bediensteter Odorados
Angelo und Nicolo: Kriminelle
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