1.0 Opioide Allgemein
1.1 Die Definition von Opioiden
Unter den sogenannten Opioiden versteht man eine Gruppe chemisch heterogener Stoffe, welche sowohl synthetisch und natürlich als auch halbsynthetisch sein können. In der Regel kann man sagen, dass Opioide morphinartige Eigenschaften hervorrufen. Einige typische (Neben-)Wirkungen von Opioiden sind folgende: Analgesie , Atemdepression, Psychotrope Effekte , Übelkeit und Erbrechen, Toleranz, Sucht und auch noch andere. Aufgrund der hohen analgetischen Wirkungen der Opioide, haben diese Stoffe eine hohe Relevanz in der Medizin bzw. Schmerztherapie.
Hinweis: Opioide sollte man nicht mit Opiaten verwechseln. Opiate bezeichnen nur natürliche Stoffe, welche im Opium des Schlafmohns vorkommen.
1.2 Die Herkunft von Opioiden
Die ersten Aufzeichnungen, in denen die Herstellung von Opiat-Extrakten gesprochen wird, stammen aus der Zeit 4000 v. Chr. ab und wurden in Keilschriften verfasst. Die Opiathaltigen Extrakte (auch Opium genannt) wurden aus dem Schlafmohn (Papaver Somniferum) gewonnen. Folgende wichtige Alkaloide waren in der weißen Milch der Mohnpflanze vorhanden: Morphin, Codein und Thebain. Insgesamt enthält der Schlafmohn 40 Alkaloide.
1.3 Die Einteilungsmöglichkeiten von Opioiden
Zur besseren Orientierung verschiedenster individueller Eigenschaften der Opioide – sowohl im medizinischen als auch chemischen Bereich – kann man diese Stoffe in diverse Aspekte gruppieren.
- Opioide kann man beispielsweise in natürliche Stoffe (Morphin, Codein etc.), halbsynthetische Stoffe (Diacetylmorphin bzw. Heroin etc.) und synthetische Stoffe (Hydromorphon, Oxycodon etc.) unterteilen.
- Des Weiteren sind Opioide auch in der Potenz, also der Stärke der Schmerzstillenden Wirkung, einteilbar. Hierbei werden die verschiedenen Gruppen so genannt: mittelstarke Opioide, starke Opioide und sehr starke Opioide. Als Referenz für die Schmerzstillende Wirkung eines Opioids wird immer das Morphin als Äquivalenzdosis herangezogen. Morphin hat beispielsweise die Schmerzstillende Wirkung 1, Hydromorphon hat die Wirkung von 7,5. Das Bedeutet, dass Hydromorphon die 7,5 Fache Schmerzstillende Wirkung von Morphin aufweisen kann.
- Unter Pharmakologischen Kriterien kann man Opioide ebenfalls einteilen: Hierbei unterteilt man die Stoffe in reine Agonisten (Rezeptor-Aktivierend), Antagonisten (Rezeptor-Hemmend) und in Agonisten-Antagonisten (komplexeres Wirkmuster, sowohl Rezeptor-Hemmend als auch aktivierend).
- Die Letzte Einteilungsmöglichkeit unterteilt zwischen endogenen und exogenen Opioiden. Die sogenannten endogenen Opioide sind körpereigene Stoffe, welche im Rahmen einer Stressreaktion eine Rolle bei der Schmerzunterdrückung spielen. Als exogene Opioide werden Stoffe bezeichnet, welche entweder therapeutisch, also zum Beispiel aus medizinischen Gründen, oder missbräuchlich, zum Beispiel Drogen wie Heroin oder Methadon, hinzugeführt werden.
2.2 Die Opioid-Rezeptoren
Die Wirkungen von Opioiden werden durch bestimmte Wechselwirkungen mit speziellen Rezeptoren, welche sich auf der Oberfläche von Nervenzellen und anderen, welche sich im ganzen Körper befinden, hervorgerufen. Hauptsächlich wird die (analgetische) Wirkung von Opioiden im Zentralnervensystem, auch ZNS genannt, erzeugt.
Die körpereigenen (endogenen) Stoffe sind Opioid-Proteine, wie zum Beispiel das Endorphin, welche in der Hypophyse und im Hypothalamus von Wirbeltieren produziert werden.
Alle hier aufgeführten Opioid-Rezeptoren werden G-Protein -gekoppelt. Das bedeutet, dass die Opioid-Rezeptoren, welche sich auf der Zellmembran befinden, Signale über G-Proteine in das Zellinnere weiterleiten, womit die Wirkung dann ausgelöst werden kann. Eine solche Signalübertragung wird auch als sogenannte Signaltransduktion bezeichnet. Diese Signalübertragung funktioniert, indem die Adenylatcyclase deaktiviert wird. Als Adenylatcyclasen werden sogenannte Isoenzyme bezeichnent, welche sich überwiegend auf der Zellmembran befinden und die Aufgabe der Katalyse der Synthese von cyclischem Adenosinmonophosphat (cAMP) aus Adenosintriphosphat (ATP) haben. Durch diesen gesamten Mechanismus kann die Weiterleitung des Schmerzsignals effizient unterdrückt werden. In der folgenden Abbildung 1 kann man den gerade beschriebenen Vorgang auch grafisch nachvollziehen.
2.3 Vergiftung
Sofern die therapeutischen Dosen von Opioiden nicht eingehalten werden, kann es auch zu einer Überdosis kommen, welche ohne medizinische Versorgung sogar bis zum Tod führen kann. Glücklicherweise können die Antagonisten Naloxon und Naltrexon (Siehe Tabelle 1) die Wirkungen der Opioide an allen Opioid-Rezeptoren teilweise oder ganz aufheben. Die Wirkung tritt nach intravenöser Darreichung innerhalb von wenigen Sekunden ein. In der Anästhesie wird der Antagonist Naloxon auch zur Beschleunigung der Aufwachphase verwendet. Jedoch müssen dennoch zwei wichtige Aspekte bei diesen Antagonisten noch beachtet werden. Erstens wirken die Antagonisten nur 2 Stunden – also weitaus kürzer als die meisten Opioide. Deswegen muss darauf geachtet werden, dass es regelmäßig verabreicht wird. Zweitens können Abhängige Personen Entzugserscheinungen bekommen, wenn das Opioid zu schnell abgesetzt bzw. die Wirkung aufgehoben wird.
2.4 Toleranz, Abhängigkeit und Entzug
Aufgrund hauptsächlich einer gesteigerten Enzymaktivität der intrazellulären Adenylatcyclase nimmt die Wirkung bei gleicher Dosierung und längerem Konsum ab. Hierbei spricht man von einer sogenannten Toleranzentwicklung. Diese Toleranz kann man nur ausgleichen, indem man die Dosis des Medikaments stätig steigert.
Die Verwendung von Opioiden für Langzeittherapien kann aus diesen Grund oftmals schwierig werden – auch weil es keine anderen Stoffklassen noch gibt, welche eine solche starke Analgetische Wirkung haben, dass sie Opioide ersetzen können. Nach einer zweiwöchigen Behandlung mit Opioiden können bereits Entzugssymptome erscheinen, wenn das Mittel abgesetzt wird. Diese entsteht durch eine erhöhte Freisetzung von Noradrenalin, ein Neurotransmitter und Hormon. Sobald Entzugssymptome auftreten kann man auch von einer Abhängigkeit sprechen. Bei einer Abhängigen Person muss immer individuell entschieden werden, wie der Entzug ablaufen soll und die Entscheidung ist von mehreren Faktoren abhängig. Auf jeden Fall wird eine Therapie mit einer psychosozialen Betreuung erleichtert. Stärker abhängige Personen sind nicht in der Lage Opioide auf einmal abzusetzen. Aus diesem Grund gibt es auch sogenannte Substitutionsprogramme – insbesondere für Heroinabhängige Personen. Heroin ist stark Fettlöslich und gelangt daher auch besonders schnell in das Gehirn, was wiederum dazu führt, dass die Wirkrezeptoren angeflutet werden. Deswegen ist das Suchtpotential besonders bei Heroin ausgeprägt. In Substitutionsprogrammen bekommen Abhängige Personen in einer kontrollierten Therapie ein Opioid, wie zum Beispiel Methadon, welches Heroin ersetzen soll und in regelmäßigen Abständen wird die Dosierung vorsichtig reduziert. So kann der Entzug zum erfolgreichen Ziel führen, dass die Abhängigkeit verschwindet.
3.0 Literaturverzeichnis
Beubler, Eckhard. Kompendium der Pharmakologie. Wien: Springer Verlag Wien New York, 2007.
Freye, Enno. Opioide in der Medizin. Heidelberg: Springer Verlag Medizin, 2008.
Trachsel Daniel, Nicolas Richard. Psychedelische Chemie. Solothurn: Nachtschattenverlag, 2000.
Internet, , http://de.wikipedia.org/wiki/Opioide (13.02.2011)
Internet, http://de.wikipedia.org/wiki/Schlafmohn (13.02.2011)
Internet, http://de.wikipedia.org/wiki/Opioidrezeptoren (13.02.2011)
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