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Fachbereichsarbeit: Bilinguale Erziehung von Kindern

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Inhaltsverzeichnis


Vorwort



Seite 3

Einleitung



Seite 4

1. Was bedeutet “Bilingual“?



Seite 5

2. Voraussetzungen für eine gute Sprachentwicklung


Seite 6

2.1 Biologische Grundlagen


Seite 6

2.2 Rahmenbedingungen im Umfeld



Seite 7

3. Sprachentwicklung


Seite 9

3.1 Theorien zum Spracherwerb


Seite 10

3.2 Der Zusammenhang von Sprache und Denken


Seite 11

3.3 Biologische Hintergründe


Seite 12

3.4 Aktiver und Passiver Wortschatz


Seite 13

3.5 Aussprache


Seite 16

3.6 Sensible Phasen und das Mischen von Sprachen


Seite 17

3.7 Die Critical Period – Hypothese



Seite 18

4. Bilingual Erziehen


Seite 19

4.1 Eine Person – Eine Sprache


Seite 19

4.2 Ein Ort – Eine Sprache


Seite 20

4.3 Der erste Satz zählt


Seite 21

4.4 Weitere Methoden


Seite 22

4.5 Hilfestellung beim Entscheiden



Seite 23

5. Künstlicher Bilingualismus



Seite 24

6. Entwicklungsprobleme


Seite 25

6.1 Mögliche Ursachen


Seite 25

6.2 Die zweite Sprache verweigern


Seite 26



7. Entwicklung fördern


Seite 27

7.1 Motivation


Seite 27

7.2 Spielerisch fördern



Seite 28

8. Vorteile & Nachteile für das Kind


Seite 30

8.1 Im Alltag


Seite 30

8.2 In der Schule



Seite 30

9. Bilingualität in Österreich



Seite 32

10. Eigene Erfahrungen



Seite 33

Zusammenfassung



Seite 35

Nachwort



Seite 36

Illustrationsverzeichnis



Seite 37

Quellenverzeichnis


Seite 38

Literatur


Seite 38

Persönliches Gespräch


Seite 38

Internet


Seite 39



Vorwort

Ich habe mir dieses Thema für meine Fachbereichsarbeit ausgesucht, da ich nicht nur durch meinen Familienzuwachs damit konfrontiert wurde, sondern selbst zweisprachig aufgewachsen bin. Seit meinem achten Lebensjahr spreche ich Deutsch und Englisch zu Hause, persönliche Fallbeispiele und Beispiele aus meinen Quellen sind von mir in der Arbeit kursiv hervorgehoben. Ich finde, dass ich durch meine eigene Erfahrung, und dem was ich an meinen beiden Geschwistern beobachte, gute Voraussetzungen habe, über dieses Thema zu schreiben. Abgesehen davon ist es für mich sehr interessant und spannend und ich glaube auch, dass es große Aktualität in unserer Zeit hat. Das bilinguale Aufziehen der eigenen Kinder findet immer mehr Interesse und Notwendigkeit in heutigen Familien. Diese Entwicklung halte ich für eine hervorragende Sache in der modernen Erziehung von Kindern. Nicht nur weil ich persönlich diese Art von Kindererziehung bevorzuge, sondern weil sie viele Vorteile im späteren Berufsleben für das Kind selbst hat (vergl. Kapitel 8).


Einleitung

Es fängt mit einem einfachen Schrei an und ist der erste Schritt zur Interaktion mit der eigenen Umwelt. Von der Geburt bis zum Tod gibt es kaum Zeit, ausgenommen der Tiefschlafphasen, in der wir nicht kommunizieren oder interagieren. Langsam lernen wir unsere Gefühle, Gedanken und Emotionen richtig zu verschlüsseln um sie unserer Umwelt verständlich zu machen.
Angefangen bei Lauten, geht es weiter über Wörter zu ganzen Sätzen, bis eine Sprache vollkommen beherrscht wird. Nach der ersten Sprache kommt dann später in der Schule die zweite, dann die dritte und so weiter. Unser ganzes Leben streben wir danach immer neue Wörter, Sätze und Sprachen zu lernen, um mit immer mehr Menschen anderer Länder kommunizieren zu können.

Abgesehen von vereinzelten Fällen in denen Kinder, aufgrund der Herkunft ihrer Eltern, von Geburt an zwei Sprachen lernen, kommt es auch in der normalen Erziehung immer öfters vor, dass Kinder bilingual erzogen werden (vergl. Kapitel 5).

Wieso warten bis das Kind in die Schule kommt wenn es doch auch schon im Kindesalter möglich ist, es mit der zweisprachigen Erziehung zu konfrontieren und darauf vorzubereiten. Über die Vor- und Nachteile dieser Erziehungsmethoden sollte sich jeder selbst eine eigene Meinung bilden. Mit meiner Fachbereichsarbeit möchte ich versuchen so sachlich wie möglich zu dieser Meinungsbildung einen Beitrag zu leisten.

Zuerst möchte ich darauf eingehen was „bilingual“ überhaupt bedeutet. Danach komme ich zum den allgemeinen Voraussetzungen der Sprachentwicklung und zur Sprachentwicklung selbst. Nach diesem ersten allgemeinen Teil werde ich näher auf das bilinguale Erziehen an sich eingehen, und danach auch auf den so genannten „Künstlichen Bilingualismus“. Darauf folgen dann die Entwicklungsprobleme, die auftreten können, und die Entwicklungsförderung. Danach gehe ich noch auf die Vor- und Nachteile für das Kind ein und erörtere kurz die Situation in Österreich zum bilingualen Erziehen. Zum Schluss beschreibe ich noch kurz meine eigenen Erfahrungen zu diesem Thema.
1. Was bedeutet “Bilingual”?

"Die allgemeine Definition von Bilingualismus beschreibt ganz allgemein die Tatsache, dass ein Individuum zwei Sprachen beherrscht und verwendet und zwar unabhängig vom Grad der Sprachbeherrschung sowie vom aktuellen Gebrauch der Sprachen."
(http://www.lerntippsammlung.de/Bilingualit-ae-t.html)

Nach dieser Definition von Peter Theurl, ist fast die ganze Welt zwei- bis mehrsprachig. Meiner Meinung nach ist man erst dann bilingual, wenn man eine Sprache genauso gut beherrscht wie die eigene Muttersprache. Der Unterschied zwischen bilingual sein und zwei Sprachen sprechen ist, dass man von demjenigen, der sagt er sei bilingual, voraussetzen kann, dass er die Sprache genauso gut oder sogar besser als seine Muttersprache beherrscht. Wohingegen jemand, der sagt er könne zwei Sprachen sprechen, sich mehr oder weniger gut mit Leuten, die dieser Sprache auch mächtig sind, unterhalten kann.

(http://science.orf.at/science/news/144787; Montanari,2001, S.15)

Wissenschaftler unterscheiden zwischen mehreren Formen von Bilingualismus. Sie betrachten externe Zustände aber auch Veranlagungen der jeweiligen Person. Heute sind sich viele Forscher einig, dass es auf Grund der oben genannten Faktoren keine „perfekte“ Zweisprachigkeit gibt.

(http://de.wikipedia.org/wiki/Bilingualit%C3%A4t)

Für den Alltag ist die genaue Definition letztlich unwichtig, da jeder eine eigene Meinung davon hat, was nun bilingual wirklich bedeutet. Zum Beispiel heißt bilingual für mich zwei Sprachen wie eine normale Muttersprache zu beherrschen. Jemand anderer könnte sagen, bilingual bedeutet einfach, dass man zwei Sprachen sprechen kann.
2. Voraussetzungen für eine gute Sprachentwicklung

Damit sich etwas entwickeln kann, ob das nun eine Sprache, ein Mensch, eine Krankheit oder die menschliche Motorik ist, müssen immer bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Für eine gute Sprachentwicklung wären das zum Beispiel die Funktion der Hör- und Sprechorgane sowie die zuständigen Zentren im Gehirn. Auch die Umgebung spielt eine große Rolle, denn ohne Kontakt mit einer Sprache kann sich keine entwickeln.

(Montanari,2001, S.19)

2.1 Biologische Grundlagen

Damit Kinder überhaupt eine Sprache erlernen können, müssen bestimmte organische Funktionen intakt sein. Dabei ist es unwichtig welche Sprache das Kind erlernt. Nach der Geburt kann ein Kind jede und so viele Sprachen lernen wie es will, solange es mit der jeweiligen Sprache regelmäßig Kontakt hat.

Um sprechen zu können muss ein Kind fähig sein Laute zu bilden, dafür braucht es bestimmte Muskel, die das Kind trainieren muss. Durch Lachen, Lallen und Schreien zum Beispiel trainiert es die Muskeln der Zunge des Rachens und des Kehlkopfes. Es gibt aber noch Millionen andere Muskeln, die eine wichtige Rolle beim Sprechen haben. Auch die richtige Atemtechnik muss ein Kind erst lernen bevor es richtig sprechen kann, das Ausatmen während des Sprechens, Pausen setzen usw.

(Kamelander (26.08.2006))


Am wichtigsten sind aber die Sinnesanregungen, ohne die ein Kind keine Notwendigkeit verspürt, irgendetwas zu benennen oder zu kommunizieren. Es ist also wichtig, dass die Sinne der Seh- und Hörorgane funktionieren, aber auch dass die Nervenübertragung im Gehirn intakt ist.

(Kamelander (26.08.2006))

Damit ist gemeint, dass ein Kind eine Sprache nicht oder nur eingeschränkt erlernen kann, auch wenn die Sinnesorgane intakt sind, die Reizübertragung im Gehirn aber nicht funktioniert. Meist kommt das jedoch nur bei Gen-Mutationen oder Erbkrankheiten vor.

(Bayrhuber; Kull, 2001, S.58ff. bzw. Kamelander (26.08.2006))

2.2 Rahmenbedingungen im Umfeld

Bestimmte Bedingungen wirken sich positiv oder negativ auf die Sprachentwicklung eines Kindes aus. Wichtig ist, dass ein Kind in einer stabilen und harmonischen Umgebung aufwächst. Regelmäßiger und intensiver Kontakt mit der oder den Sprachen, die es erlernen soll, ist ebenfalls von großer Wichtigkeit. Jedes Kind ist anders und hat eine individuelle Auffassungsgabe, manche sind „sprachbegabt[1]“ andere nicht. Wenn ein Kind also nicht so schnell sprechen lernt wie ein anderes, heißt das nicht, dass es dumm oder zurückgeblieben ist. Manche brauchen länger, sind aber dafür in anderen Entwicklungsgebieten schneller (vergl. Kapitel 3, Sprachentwicklung).

(Montanari,2001, S.19f. bzw. Andersson, 1999,S.44ff.)

Mein Bruder zum Beispiel kann mit 14 Monaten nur 4 bis 5 Wörter sprechen, versteht aber schon sehr viel. Meine Schwester hatte in dem Alter schon einen Wortschatz von 40 Wörtern, den sie aktiv benützte. Dafür kann mein Bruder schon seit ca. 4 Monaten Flaschen auf und zu machen und zeigt eine Begabung für logisches Denken, was meiner Schwester noch fehlte.

Die Sprachbegabung hat aber nichts mit dem Geschlecht zu tun, obwohl man bemerken muss, dass Mädchen im Allgemeinen eine schnellere Sprachentwicklung haben als Buben. Jedoch ist das weder wissenschaftlich geprüft und bestätigt worden, noch kann man das auf alle Buben und Mädchen beziehen.

Dazu kommt bei zweisprachigen Kindern, dass sie die verschiedenen Sprachen verstehen, sich am Anfang aber immer das leichteste Wort für eine Sache aussuchen.

Schwester heißt auf Portugiesisch „Mana“ und auf Englisch „sister“, meine Schwester nennt mich MANA, weil es von den drei Möglichkeiten am Einfachsten auszusprechen ist.

Ein weiteres Beispiel wäre: Fuß heißt auf Portugiesisch „Pe“ und auf Englisch „foot“. Mein Bruder sagt PE weil es am Einfachsten ist.

Jedoch muss ich dazu sagen, dass auch diese Theorie nicht bewiesen ist und nicht auf alle Kinder, bzw. alle Wörter, die sie benutzen, zu beziehen ist. Es wird zwar in manchen Ratgebern beschrieben, aber wie bei meiner Fachbereichsarbeit basiert das ebenfalls nur auf langjährigen Beobachtungen.

Diese Vereinfachung des Sprechens kommt aber auch bei einsprachigen Kindern vor, so sucht sich zum Beispiel ein Kind zwischen zwei Deutschen Wörtern für ein Objekt auch nur eines aus.

(Montanari, 2001, S.53f.)




3. Sprachentwicklung

„Damit sich eine Sprache bei einem Kind entwickeln kann, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein.“

(http://www.sprachheilberater.de/Sprachentwicklung.htm)

So sind Quieken und Schreien einerseits weithin hörbarer Ausdruck von Gefühlen, andererseits aber auch notwendiges Training der Stimme. Das Kind muss seine Motorik so entwickeln, dass es damit in der Lage ist Laute gezielt zu bilden. Dieses beginnt schon in den ersten Lebenswochen, in denen das Kind noch alles in den Mund nimmt. Es setzt sich später fort, wenn es zu lallen und lauten beginnt. Kinder passen ihren Lautbestand nach und nach dem der Muttersprache an.

(vergl. http://www.sprachheilberater.de/Sprachentwicklung.htm)


Bei der Sprachentwicklung gibt es zwischen Kindern die nur eine Sprache lernen und Kindern die zwei Sprachen lernen keine Unterschiede. Alle Phasen werden auf die gleiche Weise durchlebt und in der gleichen Reihenfolge. Auch das Vorurteil, dass Kinder mir zwei Sprachen überfordert wären und später anfangen zu sprechen stimmt nicht; wann ein Kind anfängt zu sprechen ist vom Kind abhängig, nicht von der Anzahl der Sprachen. Dabei ist zu beachten, dass die Sprachentwicklung eines Kindes auch mehrere Monate vom Durchschnitt abweichen kann. Das trifft allerdings nicht nur auf die sprachliche, sondern auch auf alle anderen Entwicklungen zu.

(Montanari, 2001, S.60f.)


3.1 Theorien zum Spracherwerb

Lange glaubte man, dass der Erwerb der Sprache nur eine Imitation bzw. Assoziation zur eigenen Umgebung ist. Damit ist gemeint, dass Kinder nichts Anderes tun, als ihre Umgebung nachzuahmen. Zwar stimmt diese Theorie auch, aber nur teilweise. Man kann damit die Lautbildung und Begriffe erklären, jedoch nicht das grammatikalische Verständnis.

(http://www.weikopf.de/Sprache/Grundlagen/Spracherwerb/
spracherwerb.html)

Heute gibt es zwei bekannte Theorien zum Spracherwerb. Die Lerntheorie und die Chomsky Theorie:

- Lerntheorie: es gibt zwei Versionen, die eine besagt, dass ein Säugling selektiv[2] Laute aus seiner Umgebung entnimmt und sein Lautrepertoire auf die Umgebungslaute einschränkt. Die zweite Version, entwickelt von Mowrer (laut Konecny & Leitner, 2002, S.106), wird auch autistische Sprachtheorie genannt. Sie besagt, dass das Kind die Sprache mit positiven Gefühlen assoziiert und sie deshalb nachahmt.

- Chomsky Theorie: auch psycholinguistischer[3] Ansatz genannt, geht davon aus, dass jeder Mensch bei der Geburt die Fähigkeit besitzt, mit der linguistischen Gemeinsamkeit aller Sprachen umzugehen, sich aber auf „seine Umgebungssprache“ spezialisiert. Das heißt, er realisiert die für seine Umgebung notwendigen Laute. Außerdem erlernt er auch keine Wortketten, sondern wendet Transformationsregeln an. Laut Chomsky ist jeder Gedanke und seine Bedeutung in einer Tiefenstruktur verwurzelt. Mit Hilfe bestimmter Transformationsregeln verändern wir die Tiefenstruktur in eine Oberflächenstruktur. Diesen Prozess machen wir unbewusst und intuitiv. Transformationsregeln sind zum Beispiel die Bildung von Fragen oder Negationen.

(Konecny; Leitner, 2002, S.106)

Die Lerntheorie lässt im Vergleich einige Aspekte des Spracherwerbs außer acht, zum Beispiel die Grammatik, insbesondere die Benutzung der Zeiten. Daher erscheint die Chomsky Theorie wahrscheinlicher und Zielführender als die Lerntheorie.

(Konecny; Leitner, 2002, S.106)

3.2 Der Zusammenhang von Sprache und Denken

Um sprechen zu können müssen wir auch denken können. Bevor wir etwas sagen, denken wir es. Wir legen uns Sätze im Kopf zurecht damit sie genau das aussagen, was wir wollen. Ab wann jemand denken kann, ist umstritten, manche sagen ab dem Moment der Gehirnbildung, andere wiederum sagen erst ab der Geburt. Ich glaube, dass es sich nicht um einen Moment, sondern eine Zeitspanne handelt. Wie das Sprechen müssen wir auch das Denken lernen. Die Entwicklung des Denkens und des Sprechens stehen in einer starken Wechselbeziehung zueinander. Sie sind von einander abhängig. Wir denken in Begriffen, die wir alltäglich zum Kommunizieren benötigen.

(Konecny; Leitner, 2002, S.106ff.)


3.3 Biologische Hintergründe

Lange Zeit wurde angenommen es gibt zwei Bereiche im Gehirn die sich um alles kümmern was mit Sprechen und Sprache zu tun hat. Das Broca Zentrum und das Wernicke Zentrum. Das Broca Zentrum wurde von Paul Broca 1861 (laut http://de.wikipedia.org/wiki/Sprachzentrum) entdeckt, während der Erforschung von Schädigungen in dieser Hirnregion bei Menschen mit Sprachproblemen. Man glaubt das Broca Zentrum ist vor allem für die grammatischen Aspekte von Sprachen zuständig. Das Wernicke Zentrum wurde von Carl Wernicke 1874 während seiner Erforschung von Aphasien[4] entdeckt. Von welchen angenommen wird, dass es die Sprachaufnahme steuert. Jedoch ist diese Theorie überholt. Laut dem heutigen Wissensstand gibt es nicht mehr nur zwei Zentren sondern mehrere.

(http://de.wikipedia.org/wiki/Aphasie)

{pgomakase}

Bei der Entwicklung der Sprache spielt sich im Gehirn ein komplexer Prozess ab, vereinfacht könnte man sagen, dass Neuronen im Gehirn die Aufgabe der Sprachsteuerung übernehmen und ein Netzwerk bilden. In diesem Netzwerk wird dann die Aussprache, der Wortschatz und was sonst alles mit einer Sprache und deren Verwendung zu tun hat, verwaltet und gespeichert. Der Mensch hat in seinem Gehirn verschiedene Sprachzentren.

(Kamelander (20.10.2006))

Bei einsprachig aufgewachsenen Menschen existiert für jede Sprache ein solches Netzwerk im Gehirn. Ein Team von Wissenschaftlern vom University College London hat herausgefunden, dass bilinguale Menschen für beide Muttersprachen das gleiche Hirnzentrum verwenden. Verantwortlich dafür ist das Caudatum, eine Region in der linken Hemisphäre des Gehirns. Das Caudatum zeigt nur Aktivitäten wenn eine Wortfolge zweierlei Bedeutung hat oder es sich um zwei unterschiedliche Sprachen handelt.
Eine weitere Studie, der Universität Magdeburg hat gezeigt, dass das Gehirn von zweisprachigen Menschen die Worte in der gerade nicht benützten Sprache ausfiltert noch bevor die Bedeutung überhaupt verstanden wurde.

(vergl. http://science.orf.at/science/news/144787)

Als Konsequenzen sind positive und negative Aspekte zu erwähnen. Zu den Positiven gehört vor allem, dass bilinguale Menschen durch das einheitliche Netzwerk im Gehirn schnell zwischen den einzelnen Sprachen hin und her schalten können. Der negative Aspekt ist die Sprachmischung (vergl. Kapitel 3.6).

3.4 Aktiver und Passiver Wortschatz

Jeder Mensch verfügt über einen aktiven und einen passiven Wortschatz. Der passive Wortschatz, der für das Sprachverständnis entscheidend ist, ist wesentlich größer als der aktive.

(vergl. http://www.sprachheilberater.de/Sprachentwicklung.htm)


Die ersten Worte des Kindes kennzeichnen zum einen die Silbenwiederholung, wie zum Beispiel Mama, Papa, Momo, als auch das begrenzte Lautrepertoire. In einer stürmischen Entwicklungsphase erlernt das Kind dann immer mehr Worte, oft mehrere am Tag.

(vergl. http://www.sprachheilberater.de/Sprachentwicklung.htm)


Der Erwerb des Wortschatzes ist eng mit der Begriffsbildung verknüpft. So kann es vorkommen, dass zunächst alle Tiere Wauwau heißen, bevor das Kind Begriffe wie Hund erwirbt.

(vergl. http://www.sprachheilberater.de/Sprachentwicklung.htm)


Zunächst erwirbt das Kind die Namen für Dinge seiner nächsten Umwelt, später auch für andere Sachen, deren Eigenschaften und später abstrakte Begriffe.

Ein besonders auffälliger Einschnitt in der Entwicklung des Wortschatzes ist erreicht, wenn das Kind über sich in der Ich-Form spricht (ca. mit 2 Jahren).

(vergl. http://www.sprachheilberater.de/Sprachentwicklung.htm)

Hier eine Tabelle zur Veranschaulichung der Sprachentwicklung von Kindern:

Alter


Aussprache


Wortschatz


Satzbau

~0 Monate


Schreien, Gurren




~2 Monate


Beginn der 1. Lallphase, Gurgel- und Sprudellaute, ...

(von taktilen Reizen im Mund gesteuert)




~4 Monate


Schmatz- und Zischlaute, Vokallaute, erste Silben




~6 Monate


Beginn der 2. Lallphase (vom Hören gesteuert)

Silbenketten: bababa ...




~12 Monate

(~1 Jahr)


Lallen, große Vielfalt an Lauten, Echolalie


Erste Wörter, Silbenverdoppelungen, „Papa“, Mama“; Babysprache


~18 Monate

(~1 ½J.)


p, b, m, n

Kind fängt an erste Laute gezielt zur Wortbildung einzusetzen


Einzelne Wörter, z.B.:

„wauwau, Ball, ...“


Einwortsätze

(mit unterschiedlicher Betonung)

Alter


Aussprache


Wortschatz


Satzbau

~24 Monate

(~ 2 Jahre)


W, f, t, d

Laute der 1. und 2. Artikulationszone kommen hinzu


Bis zu 50 Wörter, primär Nomen sowie erste Verben und Adjektive


1. Fragealter (mit Satzmelodie)

Zwei- und Dreiwortsätze, sie sind grammatikalisch noch nicht richtig

~30 Monate (~2 ½ J.)


G, k, ch, r

Laute der 3. Artikulationszone kommen hinzu


Wortschatz wird weiter stark ausgebaut, Wortneuschöpfungen, erster Gebrauch von „ich“


Mehrwortsätze (Anstieg), Endungen von Nomen und Verben noch nicht richtig

~3 Jahre


bl-, kn-, kr-, gr-,...

erste schwierige Konsonanten-verbindungen


Starke Zunahme des Wortschatzes


2. Fragealter (wer, wie, was, warum, ...)

Einfache Sätze richtig, erste Nebensatzbildungen

~4 Jahre


Beherrschung der Laute der Muttersprache bis auf evtl. Zischlaute (s, z, sch) und schwierige Konsonanten-Verbindungen (kl-, gl-, dr-, br-, ...)


Wortschatz nimmt stark zu (u.a. Farben und Pronomen)


Bildung längerer Sätze, schwierige Konstruktionen teilweise noch nicht normgerecht, Nebensätze

Manchmal entwicklungsbedingtes Stottern

~6 Jahre


Beherrschung aller normgerechten Laute


Wortschatz groß genug zum differenzierten Ausdruck. Abstrakte Begriffe werden kindgemäß sicher verwendet


Grammatik wird gut beherrscht, Gedankengänge können beschrieben werden (mehrere Zeit- und Pluralformen).

Nacherzählen / Berichten von Erlebnissen und Geschichten.

(Abb. 2, Sprachentwicklung, http://www.sprachheilberater.de/Sprachentwicklung.htm)

Anhand der oben angeführten Tabelle lässt sich gut die Entwicklung der Sprache bei Kindern verfolgen. Allerdings sind die Altersangaben nur durchschnittliche Richtlinien.


3.5 Aussprache

Der Lauterwerb setzt beim Kind zwei Funktionen voraus, zum einen die phonetische[5] Fähigkeit den Laut zu bilden und zum anderen die Erkenntnis, dass dieser Laut eine bedeutungsunterscheidende Funktion hat, die phonologische[6] Fähigkeit.

(vergl. http://www.sprachheilberater.de/Sprachentwicklung.htm)

Die Lautentwicklung, die Aussprache, die Artikulation beginnen zielgerichtet auf die Laute der Muttersprache in der zweiten Lallphase mit etwa 6 Monaten (vergl. Tab.1). Das Kind erlernt zunächst jene Laute, die vorn im Mund und mit den Lippen gebildet werden und spricht deshalb als erste Wörter Mama, Papa,.... Später kommen Laute, die weiter hinten im Mund gebildet werden hinzu. Dabei kann es dazu kommen, dass ein neu erworbener Laut vorübergehend einen alten, richtigen Laut ersetzt. In dieser Phase kommt es häufig vor, dass vorübergehend in fast allen Worten der alte Buchstabe durch den neuen ersetzt wird.

(vergl. http://www.sprachheilberater.de/Sprachentwicklung.htm)


Das heißt zum Beispiel ein neu erworbenes k könnte aus einer Tante vorübergehend eine Kanke machen weil die Tuh zur Kuh wurde.
Als letzte Laute kommen in der Regel die Zischlaute und komplizierte Konsonantenverbindungen.

(vergl. http://www.sprachheilberater.de/Sprachentwicklung.htm)

Meine Schwester hat früher immer „Leis“ anstatt „Reis“ gesagt. Als sie das „r“ gelernt hat wurde vorübergehend das „Laut“ zu „Raut“ und das „Lego“ zum „Rego“




3.6 Sensible Phasen und das Mischen von Sprachen

Kinder, die zweisprachig aufwachsen, haben in ihrer Entwicklung Phasen, in denen sie die Sprachen mischen. Gründe dafür können sein, dass sie das Wort in der entsprechenden Sprache noch nicht wissen, und deshalb ein entsprechendes aus einer anderen Sprache nehmen, oder sie wählen einfach das erste Wort, das ihnen in den Kopf kommt. Diese Sprachmischung bedeutet nicht, dass das Kind nicht weiß, welche Sprache welche ist, Kinder bevorzugen es, in ihrer „Lieblings“ Sprache zu kommunizieren. Das kann die Umgebungssprache oder die Sprache eines Elternteiles sein. Normalerweise wählen Kinder die „einfachere“ Sprache. Mit „einfacher“ ist jene Sprache gemeint, die sie besser beherrschen und sprechen können.

(Montanari, 2001, S.53f.)

Zum Beispiel spricht meine Schwester lieber Englisch als Portugiesisch, da es die Aussprache einfacher macht. Man merkt das daran, dass sie viel mehr Englisch redet als Portugiesisch.

Was jedoch bei zweisprachig aufwachsenden Kindern passieren kann ist, dass sie die Aussprache vermischen, deutlich zu sehen zum Beispiel beim „r“. Aber auch das ist nicht belegt, obwohl manche Ratgeber es bereits als Tatsache vorbringen.

Das Englische „r“ wird zum Beispiel im Rachen gebildet,
das Deutsch und das Portugiesische vorne mit der Zunge.

Eltern sollten sich jedoch keine Sorgen darüber machen. Mit dem Alter kommt auch die korrektere Aussprache. Durch Übung erlernen die Kinder auch die Zugehörigkeit der verschiedenen Aussprachearten von Buchstaben. Durch strikte Sprachtrennung können die Eltern ihren Kindern das Erlernen erleichtern.

(Montanari, 2001, S.53f)

3.7 Die Critical Period - Hypothese

Wenn ein Erwachsener eine zweite Sprache erlernt hat er fast immer einen Akzent (vergl. http://science.orf.at/science/news/144787). Kinder können Sprachen ohne Akzent erlernen. Die Gründe dafür sind noch nicht vollkommen erforscht. Aber es gibt eine mögliche Antwort, die so genannte „Critical Period - Hypothese“. Diese besagt, dass Kinder bis zu einem bestimmten Alter mühelos Sprachen und ihre Aussprache erlernen können. Diese Theorie basiert auf den Studien (laut Andersson, 1999, S.55) von Penfield (1965) und Lennenberg (1967).

(Andersson, 1999, S.54f.)


Major ein Anhänger der Critical Period - Hypothese fand Beweise dafür, dass Erwachsene, die in dieser Zeit ihrer Kindheit Kontakt mit anderen Sprachen hatten, sich beim späteren Erlernen dieser leichter tun, und dass diese Erwachsenen eine bessere Aussprache an den Tag legen. Es gibt auch andere Theorien wie die von Flege (1987) (laut Andersson, 1999, S.55), welche besagt, dass es damit zu tun hat, dass Kinder eine andere Art zu lernen haben, und noch nicht von sozialen und kulturellen Normen beeinflusst sind.

(Andersson, 1999, S.54f.)

Auch Scovel hatte eine andere Theorie. In seinem Buch „A Time to Speak“ (1988)(laut Andersson, 2001, S.55), erläutert Scovel seine Abwandlung der Theorie. Er glaubt, dass es eine Zeitspanne gibt, in der Kinder für die Aussprache besonders empfänglich sind, aber nur bezogen auf die Lautbildung. Für die anderen Aspekte der Critical Periode Hypothese findet er keinerlei Beweise oder Zusammenhänge. Scovel nimmt an, dass eher sozialbiologische[7] Gründe dafür verantwortlich sind.

(Andersson, 1999, S.54f.)


4. Bilingual Erziehen

Damit ein Kind zwei Sprachen gleichzeitig lernen kann ohne sie zu vermischen und zu verwechseln, ist es notwendig, die Sprachen mit etwas in Bezug zu bringen. Das kann eine Person oder ein Ort sein. Wichtig ist, dass man nicht das System ändert und sich genau daran hält. Das heißt, eine Person sollte zum Beispiel nicht zuerst Deutsch und dann Englisch mit dem Kind reden, wenn man das eine Person - eine Sprache System gewählt hat.

(Montanari, 2001, S.31f bzw. Andersson, 1999, S.26f)


4.1 Eine Person – Eine Sprache

Die bekannteste und häufigste Methode zur Sprachentrennung ist das “eine Person - eine Sprache“ System: Jede Person spricht eine Sprache mit dem Kind.

Meine Mutter zum Beispiel spricht mit meinen Geschwistern Englisch,
mein Stiefvater Portugiesisch und ich Deutsch (mit ihnen). Wir haben uns bewusst für diese Methode entschieden, weil die Kinder so mit allen unseren Sprachen regelmäßig und gleichviel Kontakt haben.

Dieses System hat Louis Ronjat, ein französischer Spracherwerbsforscher, 1913 (laut Montanari, 2001, S.31) entwickelt. Diese Art der bilingualen Erziehung funktioniert aber nur, wenn das Kind regelmäßigen Kontakt mit beiden Elternteilen hat. Ein Nachteil ist, wenn ein Elternteil den anderen in seiner Muttersprache nicht versteht, und sich dadurch in einer Konversation zwischen dem Kind und dem zweiten Elternteil ausgeschlossen fühlt. Das wiederum kann die Beziehung zwischen den Elternteilen stören. Vermeiden könnte man solche Probleme indem man sich für eine andere Methode entscheidet oder die Elternteile aufeinander Rücksicht nehmen, indem sie die Sprache zum Beispiel nicht verwenden wenn der Partner anwesend ist.

(Montanari, 2001, S.31f. bzw. Andersson, 1999, S.30ff.)

Eine dritte Möglichkeit wäre noch, dass der zweite Elternteil die Sprache auch lernt. Wichtig ist es, von an Anfang, dass die Elternteile untereinander ihre eigene Sprache sprechen, wenn die Kinder anwesend sind.

(Montanari, 2001, S.31f. bzw. Andersson,1999, S.30ff.)

Meine Mutter redet zum Beispiel mit meinen Geschwistern Englisch und ich Deutsch. Richtet meine Mutter das Wort an mich sollte sie weiterhin Englisch reden und ich sollte auf Deutsch antworten.

4.2 Ein Ort – Eine Sprache

Eine weitere Methode um Kinder zweisprachig aufzuziehen ist das „ein Ort – eine Sprache“ System. Diese Methode ist günstig, wenn die Familiensprache und die Umgebungssprache unterschiedlich sind, natürlich kann man diese Methode auch in verschiedene Bereiche des Hauses verlegen, wenn dies nicht der Fall sein sollte. Zu beachten ist dabei aber, dass das Kind viel Kontakt mit seiner Umgebung hat, um genügend Sprachanreize zu bekommen. Hilfreich ist es, das Kind zum Beispiel in einen einheimischen Kindergarten zu geben.

(Montanari, 2001, S.31f. bzw. Andersson,1999, S.37ff.)

Zum Beispiel als ich in Amerika gewohnt habe, waren meine Familiensprache Deutsch und meine Umgebungssprache Englisch.

Sowohl in Amerika als auch in Portugal besuchte ich einheimische öffentliche Schulen, die in der Landessprache geführt waren.

Dadurch wird das Kind täglich mit beiden Sprachen konfrontiert. Zu Hause mit der Muttersprache und in der Schule mit der Umgebungssprache. Wichtig ist es aber, dass zu Hause die Umgebungssprache nicht gesprochen wird und umgekehrt die Muttersprache nicht in der Schule, da es sonst zu Verwirrungen beim Kind kommen kann. Hier ist die Konsequenz sehr wichtig, Eltern dürfen auf keinen Fall faul oder schlampig werden.
(Montanari, 2001, S.31f. bzw. Andersson,1999, S.37ff.)

Dieses System kann hilfreich sein wenn ein Elternteil selten zu Hause ist und die Umgebungssprache seine Muttersprache ist. Wie oben schon erwähnt, kann dieses System auch innerhalb des Hauses angewandt werden. Man unterteilt die Wohnräume einfach in zwei Bereiche. Bei dieser Methode ist es aber noch wichtiger, dass die Eltern konsequent bleiben und nicht anfangen, die Grenzen zu verwischen.

(Montanari, 2001, S.31f. bzw. Andersson,1999, S.37ff.)

4.3 Der erste Satz zählt

Diese Methode kann am Anfang für Verwirrung sowohl bei den Eltern als auch bei den Kindern sorgen. Bei diesem System zählt der erste gesprochene Satz einer Unterhaltung. Wird in einer Sprache angefangen, so wird in der gleichen weiter gesprochen. Zu beachten ist dabei aber, dass die Eltern nicht unbewusst eine Sprache vernachlässigen.
Positiv an dieser Methode ist, dass das Kind später sehr einfach von einer Sprache in die andere wechseln kann. Besonders negativ daran ist wahrscheinlich die anfängliche Verwirrung von Eltern und Kindern. Demnach ist zu beachten, dass die Kinder die Sprachen anfangs sehr stark vermischen werden.

(Montanari, 2001, S.31f.)

Ich persönlich würde niemandem diese Methode empfehlen, weil ich sie für zu kompliziert erachte, und ich der Meinung bin, dass je umständlicher eine Sache ist, desto mehr Probleme hat man. Trotzdem gibt es Familien, die diese Methode für sehr effektiv und vorteilhaft halten.


4.4 Weitere Methoden

Neben den zuvor genannten Methoden gibt es natürlich noch viele mehr, wie die Wochenendsprache. Hier wird unter der Woche eine Sprache gesprochen und am Wochenende eine andere. Diese Art ist nicht ganz so vorteilhaft, da Kinder eine andere Zeitempfindung als Erwachsene haben, und es zu Sprachenvermischungen kommen kann.

(Montanari, 2001, S.31f.)

Eine weitere Methode ist, eine bestimmte Sprache wenn Mutter, bzw. Vater, anwesend sind. Bei diesem System spricht das Kind eine Sprache, wenn beide Elternteile anwesend sind, und eine andere wenn es alleine mit einem Elternteil ist. Vorteilhaft ist diese Art, wenn ein Elternteil die Muttersprache des anderen nicht versteht. Anfangs kann es auch hier zu Verwirrungen kommen. Trotzdem, meines Erachtens, keine schlechte Methode.
(Montanari, 2001, S.31f.)


Das altersabhängige Erlernen einer Sprache ist eine weitere Möglichkeit. Mit dem Kind wird bis zu einem bestimmten Alter nur eine Sprache gesprochen, danach wird eine weitere Sprache eingeführt. Wichtig ist es, dass die erste Sprache gefestigt ist und dem Kind verständlich gemacht wird, dass die zweite Sprache eine andere Sprache ist. Ein Vorteil ist, dass das Kind die Möglichkeit hat, zuerst eine Sprache zu fixieren und die dort erlernten Grundlagen für die zweite Sprache einzusetzen. Ein Nachteil wäre zum Beispiel, dass sich das Kind am Aufbau und an der Grammatik der ersten Sprache orientiert, und diese für die zweite Sprache anwendet.

(Montanari, 2001, S.31f.)


Alle angeführten Methoden haben Vor- und Nachteile, jede Familie muss sich das für sie passende System aussuchen. Wenn ein Elternpaar sich dazu entschließt, ihr Kind, bzw. ihre Kinder, zweisprachig aufzuziehen, ist es wichtig dass sie ihre Lebensumstände bedenken und versuchen, das für sie, bzw. für das Kind, geeignete System zu finden. Je nach Lebenslage wird eine Methode besser passen und eine andere weniger gut.

4.5 Hilfestellungen beim Entscheiden

Für Paare, die ihr Kind bilingual erziehen wollen, und nicht wissen welche Methode die beste für sie ist, gibt es vielseitige Hilfe. Neben den zahlreichen Ratgebern und wenig empfehlenswerter Tests gibt es im Internet weltweite Foren, ähnlich wie Chat-rooms, wo man sich mit Gleichgesinnten austauschen kann. So findet zum Beispiel meine Mutter die meiste und vielseitigste Hilfe die Erziehungsfragen meiner Geschwister betreffend. Sie sind auch meine persönliche Empfehlung, genau wie jene drei Bücher, die mir bei meiner Recherche für meine Fachbereichsarbeit als sehr informativ und hilfreich erschienen sind:

„Wie Kinder mehrsprachig aufwachsen“ so wie „Mit zwei Sprachen groß werden“ von Elke Montanari, weil sie sehr vielseitig aufgebaut sind und ein gutes Grundwissen vermitteln und „growing up with two languages“ von Una und Staffan Andersson, weil es auch Erfahrungsberichte beinhaltet.


5. Künstlicher Bilingualismus

Künstliches bilinguales Erziehen bedeutet, die Kinder zweisprachig zu erziehen ohne dass die Eltern die zweite Sprache beherrschen. Das kann sowohl absichtlich als auch unabsichtlich eintreten. Zum Beispiel wenn die Eltern berufsbedingt, oder aus anderen Gründen, in ein anderes Land ziehen und das Kind dort in eine Schule geben. In der Folge lernt das Kind die neue Sprache, ohne dass die Eltern Einfluss darauf haben.

Zum Beispiel als ich mit meiner Mutter nach Portugal gezogen
bin, konnten wir beide kein Portugiesisch sprechen. Ich ging in
eine Portugiesische Schule und lernte dort die Sprache.

Eine andere Möglichkeit ist, dass Eltern ihr Kind in einen zweisprachigen Kindergarten oder in eine zweisprachige Schule geben, um ihm eine weitere Sprache näher zu bringen (vergl. Kapitel 9). Viele Eltern, die selbst nicht die Möglichkeit haben ihr Kind zweisprachig aufzuziehen, nutzen dieses Angebot, vor allem in der heutigen Gesellschaft, in der eine zweite Sprache Voraussetzung für viele Berufe ist. Für das Kind ist es sinnvoll, schon im Kleinkindalter mehrere Sprachen zu erlernen, da es sich damit leichter tut als später. Es gibt viele Studien über dieses Thema, aber wie sehr man ihnen glaubt, hängt vom Menschen ab.

Auch ein Au-pair Mädchen, das die gewünschte Sprache spricht, wäre eine Möglichkeit eine weitere Sprache in die Familie zu bringen. Man sollte jedoch darauf achten, dass das Kind auch nach der Abreise des Au-pair Mädchens weiterhin in Kontakt mit dieser Sprache bleibt.

Ich bin überzeugt, dass es vorteilhaft ist, seinem Kind schon im Kindesalter eine zweite Sprache beizubringen (vergl. Kapitel 8). Dabei könnte sich zu großer elterlicher Ehrgeiz jedoch negativ auf die Kinder auswirken (vergl. Kapitel 6).

(Andersson, 1999, S.40ff. )


6. Entwicklungsprobleme

6.1 Mögliche Ursachen

Es gibt eine Vielzahl von Ursachen für Entwicklungsprobleme, wie zum Beispiel falsche Erziehung, neuer Familienzuwachs oder eine ungeeignete Umgebung.

Als Beispiel Familienzuwachs: schenken die Eltern dem Neuling mehr Aufmerksamkeit kann es beim älteren Kind zur Regression[8] kommen.

An diesem Beispiel kann man sehen, dass das Bestreben eines Kindes hauptsächlich auf Aufmerksamkeit gerichtet ist. Fehlende Aufmerksamkeit und Liebe sind die häufigsten Gründe für ein Entwicklungsproblem. Aber auch ein Umzug in ein neues Land kann zu Problemen führen.

Zum Beispiel eine Familie muss berufsbedingt alle drei Jahre das Land wechseln. Kinder können sich durch das ständige Ändern des Umfeldes nur langsamer entwickeln und entfalten.

Auch Scheidung und Probleme zwischen den Eltern können sich entwicklungsstörend auswirken. Der typische „Wen hast du lieber, die Mama oder den Papa?“ - Satz kann für Kinder sehr problematisch werden. Sich zwischen den Elternteilen entscheiden zu müssen, übt einen enormen Druck auf sie aus. Das kann im späteren Leben dazu führen, dass man sehr nachgiebig wird, um Streit zu vermeiden. Oder aber die Kinder entwickeln sich zurück (s.o.), was jedoch nichts mit der bilingualen Erziehung zu tun hat, sondern auch bei einsprachigen Kindern vorkommen kann.

(Andersson, 1999, S.107ff.)

Zum Beispiel als sich meine Eltern scheiden ließen, war ich fast fünf.
Damals fing ich wieder an einzunässen,
was ein typisches Beispiel für Regression ist.

Auch der Tod eines Elternteiles kann schlimme Folgen für ein Kind haben, besonders bei Kleinkindern. Neben all den möglichen Entwicklungsstörungen in solch einem Fall, ist eine zweisprachige Erziehung besonders schwierig. Viel hängt davon ab, wie alt das Kind, welches einen Elternteil verloren hat, bereits ist und wie intensiv die Beziehung zwischen ihnen war. Eine Folge könnte zum Beispiel sein, dass sich das Kind weigert, die Sprache des verlorenen Elternteiles jemals wieder zu benützen. Manchmal können Psychologen helfen, doch mit Sicherheit kann man eine Heilung nicht voraussagen, vor allem weil jedes Kind anders reagiert.

(Andersson, 1999, S.107ff.)

6.2 Die zweite Sprache verweigern

Es kann dazu kommen, dass das Kind vorübergehend die Motivation verliert und sich weigert eine Sprache zu lernen. Das kann passieren wenn das Kind mit dem Elternteil Probleme hat oder weil es gerade in einer Phase ist, in der zu viel von ihm gefordert wird. Es gibt Zeiten, in denen das Kind leicht Wörter lernt und Spaß daran hat, aber auch jene, in denen sich das Kind lieber andere Sachen aneignet und die Sprachentwicklung zurückbleibt. Es ist wissenschaftlich erwiesen (laut Andersson, 1999, S.107), dass die motorische und die sprachliche Entwicklung nicht parallel sondern proportional verlaufen. Damit ist gemeint, dass die sprachliche Entwicklung von der motorischen Entwicklung teilweise abhängig ist und umgekehrt, deshalb steigen sie proportional und nicht parallel. Eltern sollten darauf achten, dass sie ihr Kind in solchen Phasen spielerisch fördern und nicht zu etwas zwingen. Mit jedem Zwang verliert es das Interesse und die Motivation. Außerdem wäre das Prinzip der Natürlichkeit nicht gewährleistet, wenn man ein Kind zur Sprache zwingt.

(Andersson, 1999, S.107ff.)


7. Förderung der bilingualen Entwicklung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten die bilinguale Entwicklung eines Kindes zu fördern, zum Beispiel mit Spielen, Lernprogrammen oder von Psychologen persönlich erstellten Lernhilfen.

7.1 Motivation

Von Geburt an hat jedes Kind seine eigene Motivation sich zu entwickeln, um ein autarkes Leben führen zu können. Die Aufgabe der Eltern ist, darauf zu achten, dass es immer neue Motivation für das Kind gibt. Dabei sollten sie aber auch auf ihre eigene Motivation achten, da sich ein Teil des elterlichen Antriebs auf die Kinder überträgt. Es ist also vorteilhaft, wenn sich auch die Eltern die errungenen Erfolge immer vor Augen halten.
Das Loben, wenn Kinder etwas gut gemacht haben, ist ein wichtiger Motivationsantrieb. Das Belohnen besonders schwieriger Probleme oder Taten ist ein zusätzlicher Antrieb für Kinder.

Zum Beispiel bekommt meine Schwester, wenn sie einen Satz
vollständig richtig sagt, ein Abziehbildchen, was sie motiviert und dazu
anregt weiter zu reden.

Auch ein System beim Erlernen der Sprache kann für Kinder motivierend sein, vor allem wenn man ihnen von Zeit zu Zeit zeigt, wie weit sie schon sind und was sie schon alles können. Das regt auch den Ehrgeiz des Kindes an. Vorteilhaft ist daran, dass man den Fortschritt genau verfolgen kann. Gleichzeitig ist das wiederum ein Nachteil, weil man sehr konsequent sein muss.

(Andersson, 1999, S.117)
7.2 Spielerisch Fördern

Der Prager Psychologe Dr. Jaroslau Koch stellte in den 60er Jahren mit Hilfe einer Studie fest (laut Pulkkinen, 1999, S.32), dass Kinder viel zufriedener sind und sich besser entwickeln, wenn man oft mit ihnen spielt. Durch die spielerische Art merken sich Kinder mehr und vor allem macht es ihnen mehr Spaß das Gelernte umzusetzen. Außerdem stärkt ein Erfolg das Selbstbewusstsein, was wiederum die Lernfreude verstärkt.

Um das richtige Spiel zu finden, sollte man sich nicht am Alter sondern am Entwicklungsstand des Kindes orientieren. Nach einiger Zeit erkennt man auch, womit die Kinder gerne oder weniger gerne spielen.

Mein kleiner Bruder liebt es mit kleinen aufzieh baren
Autos zu spielen. Mit der Zeit hat er gelernt sie auch selbst aufzuziehen.

Bilderbücher sind eine gute Methode um Kindern spielerisch bei der Sprachentwicklung zu helfen. Man kann sie immer wieder vorlesen, und später das Kind die Bilder erklären, lassen. Auch Memory ist eine gute Methode zur Sprachförderung.

Meine kleine Schwester liebt es sich vorlesen zu lassen,
bei den Büchern die sie schon kennt, erklärt sie was sich alles abspielt.

Bei all dem ist es wichtig die Spiele immer wieder auf die Entwicklungsstufe des Kindes abzustimmen, um es nicht zu langweilen.
Eine weitere Methode die Sprachentwicklung zu fördern, und gleichzeitig die Verbindung mit Verwandten im Ausland aufrecht zu erhalten, ist das Telefonieren.

Wenn mein Stiefvater mit seiner Mutter in Portugal telefoniert, darf meine Schwester anschließend auch mit Oma plaudern.


Ein weiteres Spiel wäre zum Beispiel, das Kind dem berufstätigen Elternteil nach der Arbeit erzählen zu lassen, was es den ganzen Tag so erlebt hat. Das fördert nicht nur die Sprache sondern auch das Gedächtnis und die Wahrnehmung.

Wenn ich von der Schule nach Hause komme setze ich mich mit meiner Schwester hin und sie erzählt mir was sie alles erlebt hat.

Die Eltern sollten ihre Handlungen immer erklären, das heißt dem Kind sagen, was sie gerade tun und warum sie es machen. Das erweitert den Wortschatz des Kindes und fördert die Aussprache.

Während ich koche sage ich: „Ich koche jetzt das Mittagessen.
Zuerst schneide ich die Zucchini damit sie schneller gekocht
ist und in den Mund passt.“

Eine persönliche Empfehlung von mir sind die „Baby Club“ Bücher vom Egmont Horizont Verlag. Diese Bücher sind speziell zur spielerischen Förderung von Kindern geschrieben und haben viele Spiele für alle Entwicklungsstufen und Bereiche, bis zum 3. Lebensjahr.

(Pulkkinen, 1999, S.18ff.)


8. Vorteile & Nachteile für das Kind

8.1 Im Alltag

Der wichtigste Vorteil und der häufigste Grund für eine bilinguale Erziehung ist, dass sich die Kinder so mit ihren Verwandten oder ihrer Umwelt verständigen können, falls die Eltern in ein anderes Land gezogen sind.

Meine Geschwister lernen Portugiesisch da ihre Großeltern
weder Deutsch noch Englisch können.

Ein Nachteil der bei einer zweisprachigen Erziehung auftritt ist, dass bilinguale Kinder am Anfang ein geringeres Wortrepertoire in jeder Sprache aufweisen, aber dafür gesamt gesehen einen größeren Sprachschatz haben als monolinguale Kinder weil sie für jedes Ding mehrere Bezeichnungen lernen müssen. Außerdem wird oft von zweisprachigen Kindern erwartet, dass sie für jede Sprache gleich viel lernen und es so zu einer Demotivation kommen kann.

(Andersson, 1999, S.57f.)

8.2 In der Schule

Ein Vorteil für die Schulzeit ist, dass Kinder einen besseren Zugang zur Sprache haben, oder sie sogar schon können, im Fall von Englisch oder Französisch zum Beispiel. Es kann aber gerade durch diesen Vorteil zu Eifersucht unter den Mitschülern kommen.
Ein weiterer Vorteil ist es, dass dem Kind so eine bilinguale Schullaufbahn ermöglicht werden kann, was für den beruflichen Alltag von großem Vorteil ist. Vor allem in einer multikulturellen Gesellschaft wie der unsrigen, wirkt sich eine bilinguale Schulzeit positiv aus.

(Andersson, 1999, S.57)


Ein Nachteil ist jedoch, dass sich zweisprachig aufgewachsene Kinder bei der Rechtschreibung und Grammatik schwerer tun könnten. Das Mischen der Grammatik kann in der Schulzeit demotivierend auf die Kinder wirken.

(Andersson, 1999, S.57)

Ich muss seit dem dritten Gymnasium in Deutsch jedes Jahr aufgrund meiner Rechtschreibung darum kämpfen, positiv abzuschließen. Die Regeln beherrsche ich, doch anwenden kann ich sie nur dürftig.


9. Bilingualität in Österreich

In Österreich gibt es ein großes Angebot für Familien die ihre Kinder bilingual erziehen wollen. Neben zweisprachigen Kindergärten, Volkschulen, Gymnasien und ausländische Schulen (zum Beispiel die Vienna International School), gibt es heutzutage auch die Möglichkeit in einer anderen Sprache zu studieren und vor allem in einem anderen Land.

Auch wird es vom Staat unterstützt, wenn eine Familie einen Austausch Schüler bei sich aufnimmt.

Mann kann auch deutlich erkennen, dass Österreich sich immer mehr auf Zweisprachigkeit einstellt. Die zweisprachigen Ortstafeln sind nur eins von vielen Beispielen. Ein weiteres wäre zum Beispiel das neue Projekt Fremdsprache als Arbeitssprache (vergl. http://www.pze.at/memo/download/

05bestat.pdf) oder das BIT-Projekt: Bilingual Integrated Teaching, von der Pädagogischen Akademie der Diözese Wien. Hier geht es darum Englisch als zweite Arbeitssprache in Österreich einzuführen.

Es ist in Österreich ein deutlicher Trend zum bilingualen erkennbar, da das vom Staat zu Verfügung gestellte Programm ausgiebig genützt wird. Zwar gibt es weder Studien noch irgendeine andere Art von genauer Information zu diesem Thema, jedoch ist dieser Trend deutlich an der jährlich steigenden Zahl von Benutzern zu erkennen.


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10. Eigene Erfahrungen

Ich habe selbst Erfahrungen mit zweisprachigem Aufwachsen gemacht. Zwar nicht von Geburt an, aber dafür beginnend mit meinem achten Lebensjahr, was zwar kein natürlicher Bilingualismus ist, aber ein künstlicher.

Mit acht Jahren bin ich zum ersten Mal in ein anderes Land gezogen, in die USA. Ich sprach fast kein Wort Englisch, weil ich in der Volksschule kaum Englisch hatte. In Kalifornien ging ich auf eine amerikanische Schule, wo ich mich am Anfang nur mit Zeichensprache verständigen konnte. Innerhalb kürzester Zeit lernte ich jedoch Englisch, um mich mit meinen Mitschülern unterhalten zu können. Zu Hause redete ich jedoch nur Deutsch. Heute kann ich Englisch fast genauso gut wie meine Muttersprache sprechen, und schreibe es sogar besser. Dieses Jahr in Amerika war für mich nicht nur wegen des Spracherwerbs ein einzigartiges Erlebnis.
Mit zehn Jahren übersiedelte ich dann das zweite Mal in ein fremdes Land, nach Portugal. Auch hier ging ich nicht in eine deutsche sondern in eine portugiesische Schule. Wieder lernte ich in kürzester Zeit die Sprache und war in meinem zweiten Schuljahr dort sogar Drittbeste meiner Schulstufe. Auch diese zwei Jahre in Portugal waren eine tolle Erfahrung. Die Probleme begannen erst als ich wieder in Österreich war und hier in die Schule ging. Weil ich die vierte Volksschule und das erste und zweite Gymnasium im Ausland verbracht habe, hatte ich von der deutschen Rechtschreibung und Grammatik wenig Ahnung. Was viele Österreicher „im Blut“ haben, fällt mir extrem schwer. Bei jedem Aufsatz zerbreche ich mir den Kopf, ob ich Zeiten verwechsle oder ob ein Wort richtig geschrieben ist. Seit fünf Jahren kämpfe ich darum, in Deutsch positiv abzuschließen. Auch Französisch, das ich seit der fünften Klasse habe, fällt mir sehr schwer. Portugiesisch und Französisch haben oft ähnlich klingende Worte für verschiedene Sachen, deren Bedeutung oder Schreibweise ich dann verwechsle.
Leicht ist es also nicht, aber ich bereue es nie, diese drei Jahre im Ausland verbracht zu haben, und freue mich schon auf zukünftige auswertige Erfahrungen. Ich kann jedem empfehlen, auch einige Zeit im Ausland zu leben, vielleicht nicht drei Jahre in Folge aber doch mindestens ein Jahr. Es ist für Kinder und Eltern mit Sicherheit eine tolle Erfahrung, die sich lohnt.

Auch bei meinen Geschwistern habe ich miterleben dürfen, was mehrsprachiges Aufwachsen bedeutet. Bei uns zuhause werden drei Sprachen gesprochen, Englisch, Portugiesisch und Deutsch. Bei der Sprachenverteilung haben wir genau darauf geachtet, wer welche spricht. Mein Stiefvater spricht mit meinen Geschwistern Portugiesisch, da es seine Muttersprache ist und er sie daher auch am besten spricht. Meine Mutter redet mit ihnen Englisch, da sie die meiste Zeit mit ihnen verbringt und die Umgebungssprache Deutsch ist. Ich spreche mit meinen zwei Geschwistern Deutsch, weil ich von uns drei am wenigsten Kontakt zu ihnen habe.

Bei meiner Schwester konnte ich beobachten, dass sie sich zuerst aus allen Sprachen das einfachste Wort für ein Ding aussuchte, und dieses dann verwendete. Später lernte sie das Wort auch in den anderen Sprachen. Mit ca. zwei Jahren hat sie auch angefangen, mit der jeweiligen Person die richtige Sprache zu verwenden. So spricht sie zum Beispiel mit meiner Mutter fast ausschließlich Englisch, mit meinem Stiefvater nur Portugiesisch und mit mir nur Deutsch. Sie hat mittlerweile verstanden, dass eine Person für eine Sprache zuständig ist. Meiner Ansicht nach ist das für ein Mädchen mit zweieinhalb Jahren wirklich bemerkenswert.


Zusammenfassung

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Bilingualität viele Vorteile aber auch Nachteile hat. Vorteilhaft ist zum Beispiel die Zweisprachigkeit im späteren Berufsleben, vor allem in so einer internationalen Umgebung wie der unseren. Negativ ist aber, dass man sich bei der Unterscheidung der einzelnen Sprachen schwer tun kann, d.h. die unterschiedliche Grammatik könnte man zum Beispiel leicht verwechseln. Bilingual erzogen zu werden hat jedoch in der heutigen Gesellschaft hauptsächlich Vorzüge. Vor allem für ausländische Familien in Österreich, die ihren Kindern nicht nur die Umgangssprache, sondern auch die Sprache ihres Herkunftslandes vermitteln wollen, ist dieses Thema sehr wichtig.
Um ein Kind gut zweisprachig erziehen zu können, müssen sich die Eltern zuerst eine passende Methode aussuchen und das Kind mit Spielen fördern. Es gibt viele verschiedene Methoden, zum Beispiel die „Eine Person – Eine Sprache“ Methode oder die „Ein Ort – Eine Sprache“ Methode.
Allgemein lässt sich sagen, dass in Österreich Einrichtungen wie bilinguale Schulen und Kindergärten aber auch zahlreiche Kursangebote vorhanden sind, um die Eltern in ihren Bemühungen zu unterstützen. Also auch Eltern mit nur einer Muttersprache können ihre Kinder zweisprachig aufwachsen lassen, um ihnen das spätere Leben zu erleichtern.

Wenn man sich dazu entschlossen hat, sein Kind, bzw. seine Kinder, bilingual zu erziehen, ist es wichtig, sich umfassend zu informieren und konsequent bei seinem Vorhaben zu bleiben.


Nachwort

Es hat viel Spaß gemacht, mich mit dieser Fachbereichsarbeit zu beschäftigen, und es war eine tolle Erfahrung, die mir in meiner Zukunft sicher noch nützlich sein wird. Da ich persönlich ein Sympathisant von zweisprachigem Aufziehen der eigenen Kinder bin, werde ich es hoffentlich irgendwann selbst ausüben. Ich habe viel Neues beim Verfassen meiner Arbeit gelernt, und weiß, dass es sich gelohnt hat so viel Mühe und Zeit zu investieren.

Zum Schluss möchte ich diese Gelegenheit nutzen um meiner Familie, besonders meiner Mutter, für ihre großartige Hilfe und Unterstützung bei der Informationssuche zu danken. Sie war mir eine große Stütze und stand mir mit Rat und Tat zur Seite. Außerdem möchte ich meiner kleinen Schwester und meinem kleinen Bruder dafür danken, dass sie mich immer wieder zu neuen Denkanstößen inspiriert haben, und mich aufgemuntert haben, wenn ich nach ein paar Stunden Arbeit müde aus meinem Zimmer gekommen bin.


Illustrationsverzeichnis

Abb. 1:


„Sprachzentren“


Seite 13



http://www.nidcd.nih.gov/health/voice/aphasia.asp



Abb. 2:


„Sprachentwicklung“


Seite 16



http://www.sprachheilberater.de/Sprachentwicklung.htm




Quellenverzeichnis

Literatur

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Bayrhuber, H.; Dr. Kull, U. (2001). Linder Biologie Teil 2. Wien

Andersson, S.; Cunningham-Andersson, U. (1999).
growing up with two languages. London.


Duden (Hrsg.). (2004) Lexikon. Deutschland.

Konecny, E.; Leitner M. (2002). Psychologie. Wien.

Messmer, R. (2004). Ihr Baby kann`s!. Deutschland.

Montanari, E. (2001). Wie Kinder mehrsprachig aufwachsen. Frankfurt a.M.

Montanari, E. (2005). Mit zwei Sprachen groß werden. München.

Pulkkinen, A. (1999). Babys spielerisch fördern. München.

Persönliches Gespräch

Kamelander, T. (2006). Persönliche Gespräche. (26.08.2006; 20.10.2006; 13.01.2007). Wien
Internet

- Biedermann; K. http://www.sprachheilberater.de. (o.J.). Url:

http://www.sprachheilberater.de/Sprachentwicklung.htm (25.10.2006)

- Czepel; R. science.ORF.at. (2006). Url: http://science.orf.at/science/news/144787. (15.06.2006)

- Gierlinger; E. (2002). Url:

http://www.pze.at/memo/download/05bestat.pdf (13.02.2007)

- Lochmann; B. http://www.lerntippsammlung.de. (o.J.). Url:

http://www.lerntippsammlung.de/Bilingualit-ae-t.html (15.06.2006)

- Weikopf, Coll. http://www.weikopf.de/index.html. (o.J.). Url:

http://www.weikopf.de/Sprache/Grundlagen/Spracherwerb/spracherwerb.html (6.1.2007)

- Wikimedia Foundation Inc. http://de.wikipedia.org. (2001). Urls:

http://de.wikipedia.org/wiki/Spracherwerb (25.10.2006)

http://de.wikipedia.org/wiki/Bilingualit%C3%A4t (25.10.2006)

http://de.wikipedia.org/wiki/Soziobiologisch (06.01.2007)

http://de.wikipedia.org/wiki/Psycholinguistik (06.01.2007)

http://de.wikipedia.org/wiki/Aphasie (13.01.2007)

- http://www.sonderpaed-online.de/wiss/biling/biling.htm (15.06.2006)


[1] Sprachbegabt = jemand der sich leicht tut eine Sprache zu lernen und anzuwenden

(Duden Lexicon, 2004)

[2] Selektiv= ausgewählt, gezielt (Duden Lexikon, 2004)

[3] Psycholinguistisch= kommt von Psycholinguistik, Sprachwissensforschung, Spracherwerbs-forschung, Sprachprozessforschung (http://de.wikipedia.org/wiki/Psycholinguistik)

[4] Aphasien = eine Aphasie ist eine zentrale Sprachstörung infolge neurologischer Erkrankungen (http://de.wikipedia.org/wiki/Aphasie)

[5] Phonetisch = motorisch; wie ein laut gebildet wird (Duden Lexikon, 2004)

[6] Phonologisch = Fähigkeit Laute zu unterscheiden (Duden Lexikon, 2004)

[7]Soziobiologisch= biologische Grundlagen des Sozialverhaltens (http://de.wikipedia.org/wiki/Soziobiologisch)

[8] Regression = Rückgang oder Rückschritt von einer Entwicklungsphase in die vorige (Duden Lexikon, 2004)


 

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